Ex-Republikaner arbeitete für PDS: Die wunderbare Wandlung

In Leipzig kommt die wahre Identität eines Ex-Linke-Mitglieds ans Licht: Maximilian Meurer war in den 90er-Jahren ein führender Kopf der rechten Szene in Westdeutschland.

LEIPZIG taz Erst stand er ganz Rechts, dann wechselte er die Seiten. Die Linkspartei in Leipzig erregt sich gerade über eine Karriere der besonderen Art. Maximilian Meurer, einst Mitglied im Stadtverband, war nach taz-Informationen in den 90er Jahren ein führender Kopf der rechten Szene in Westdeutschland.

Beispielsweise arbeitete er als Bundesvorsitzender der in Stuttgart gegründeten "Vereinigten Rechten". Bereits 1992 taucht er als Landtagskandidat der "Republikaner" in Baden-Württemberg auf. Stationen bei der "Deutschen Freiheits- und Arbeiterpartei", der "Christlichen Mitte" dem "Deutschen Kreuzorden" und als Autor der "Deutschen Stimme" folgt die "Vereinigte Rechte". Auf Anfrage räumte er die diversen Stationen bei rechten Organisationen am Mittwoch ein.

"Ich bin nicht nur Mitläufer gewesen, sondern habe die rechte Szene mitgeprägt", sagte Meurer. "Ich war in jeder Partei ein Idealist, wollte nie abseits der Welt stehen." Er sei aber stets für eine demokratische Rechte eingetreten und habe wegen der Unterwanderung durch radikale Kräfte und Hitler-Anhänger mit der Szene gebrochen, betonte Meurer.

Aus der Linken ist er inzwischen ausgetreten. Im Leipziger Kreisverband waren bereits im Sommer vergangenen Jahres Vermutungen über eine fragwürdige Vergangenheit Meurers angestellt worden - nach Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen WASG-Flügel, dem Meurer angehörte (die taz berichtete). Die Streits wurden genährt durch Berichte aus dem sauerländischen Arnsberg, wo Meurer 2005 den PDS-Genossen seine frühere Tätigkeit für rechte Parteien offenbart hatte, er wollte jedoch im Auftrag des Verfassungsschutzes unterwegs gewesen sein.

Heute führt der politische Seitenwechsler mangelnde Courage und den gedanklichen Versuch, sein braunes Kapitel endgültig aus der Biografie zu löschen, zur Erklärung für seine Täuschungen an. "Ich habe für keinen Dienst der Welt gearbeitet", sagte er.Leipzigs Genossen hat die Enttarnung Meurers geschockt. Von einer "Köpenickiade" ist bei den ehemaligen WASG-Genossen die Rede.

Die politische Vita Mario Meurers schillert in allen Farben: Der 1963 in Brandenburg Geborene wurde in der DDR nur ein Jahr nach Abschluss seines Theologiestudiums inhaftiert und 1988 wegen staatsfeindlicher Hetze verurteilt. Die Bundesrepublik kaufte ihn 1989 frei. 1992 als politisch Verfolgter rehabilitiert, kann er seit 2007 eine Opferrente beziehen.

Seine rechte Karriere beendete er 2001. Als er sich damals an ein Aussteigerprogramm wandte, seien lediglich zwei Herren des Bundesinnenministeriums aufgetaucht und hätten ihm bei Arbeitssuche und Umzug geholfen, erzählte er. Nach einem Intermezzo bei der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft der CDU taucht Meurer 2002 plötzlich bei der PDS in Bayern auf.

Er absolviert sogar ein Praktikum in der PDS-Bundestagsfraktion, schreibt sogar in der PDS-Mitgliederzeitschrift Disput und lässt beim Standesamt die Reihenfolge seiner Vornamen Mario und Maximilian tauschen. In die DKP tritt er ein, um die Spuren der Stalinisten von einst zu verfolgen, wie er sagt. Die KPD ignoriert seinen Aufnahmeauftrag.

Mit der Linken hat er nun auch gebrochen, unterschrieb zur Hessen-Wahl einen Aufruf gegen sie. MICHAEL BARTSCH

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben