Evangelische Kirche im Rheinland: Landessynode verurteilt „christlichen Nationalismus“
Auf ihrer 80. Landessynode warnt die Evangelische Kirche im Rheinland vor imperialer Machtpolitik. Zudem mahnt sie den Schutz von Menschenrechten an.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland zeigt sich besorgt darüber, dass weltweit Religion zunehmend zur Rechtfertigung von gewalttätiger Machtpolitik, reaktionären Wertvorstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit genutzt wird. All das verurteile die rheinische Kirche auf das Schärfste: „Nationalismus und imperiale Machtpolitik widersprechen fundamental der einen allumfassenden Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart“, beschloss sie auf ihrer an diesem Dienstag zu Ende gegangenen Tagung in Bonn.
In ihrem Beschluss „Wider christlichen Nationalismus und imperiale Machtpolitik“ beklagt die Landessynode, dass christliche Symbole wie das Kreuz, biblische Narrative oder auch prominente christliche Personen wie Dietrich Bonhoeffer in einer Weise umgedeutet würden, die der Haltung und der theologischen Einsicht der evangelischen Kirche radikal widerspreche.
„Es wird ein rassistischer Kampf der Kulturen behauptet“, heißt es weiter in dem Beschluss. Eng eingewoben in den „christlichen“ Nationalismus sei zudem eine „Retraditionalisierung der Geschlechterrollen und eine Feindschaft gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“.
Das sei beispielsweise vielfältig bei US-Präsident Donald Trump und bei führenden Vertretern seiner MAGA-Bewegung zu sehen. „Wir bewundern den Mut und die Klarheit, mit denen sich unsere Partnerkirche, die United Church of Christ (UCC), gemeinsam mit vielen anderen für Gerechtigkeit, Achtung der Menschenrechte und Völkerverständigung einsetzt“, so die Landessynode.
Gegen jede Form machtpolitischer Willkür
In Russland unterstütze die Leitung der Russisch-Orthodoxen Kirche mit Patriarch Kyrill. ganz offen die aggressive Machtpolitik Putins. Auch in Europa und Deutschland suchten politische Akteur:innen im Umfeld der extremen Rechten eine christliche Legitimation ihrer Politik. Die Landessynode trete jeder Form machtpolitischer Willkür entgegen.
Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland ist das oberste Leitungsgremium der mit gut zwei Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Sie hat 184 stimmberechtigte Mitglieder und besteht sowohl aus Theolog:innen als auch aus Nichttheolog:innen aus den 34 Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Die 80. Landessynode tagte vom 16. bis zum 20. Januar in Bonn.
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