: Essener Polizeikessel-Rekord
■ 918 DemonstrantInnen gegen den Euro-Gipfel von Essen wurden vorläufig festgenommen
Essen (taz) – Mit 918 am Samstag beim EU-Gipfel festgenommenen DemonstrantInnen liegt die Stadt Essen jetzt ganz vorn in den Polizeikessel-Charts: vor München (482, Weltwirtschaftsgipfel), Berlin (600, Reagan-Besuch) und Hamburg (862, Anti-AKW-Brokdorf).
Essens Polizeipräsident Michael Dybowski zeigte sich gestern dann auch des Lobes voll über den „erfolgreichen Einsatz“ der insgesamt 8.000 BeamtInnen. Ein einsamer Rufer, denn da mochten weder die Demonstranten und Veranstalter des „Gegengipfels“ noch die „Kritischen PolizistInnen“ einstimmen. Letztere warfen der Essener Polizeiführung vor, bei der Durchsetzung des Demonstrationsverbots die Gerichte „geschickt ausmanövriert“ zu haben.
Insoweit kann man tatsächlich von „Erfolg“ sprechen, denn durch die häppchenweise Präsentation von irreführenden „Erkenntnissen“ blieb auch dem Bundesverfassungsgericht am Samstag morgen kaum anderes übrig, als das Demoverbot formal zu bestätigen.
So ging die Rechnung der Polizei auf. Kaum, daß die ersten, zum geringsten Teil vermummten Demonstranten den verbotenen Platz erreicht hatten, wurde der Kessel geschlossen. Stunden vergingen. Als Vermittler versuchten sich Wilfried Telkämper, Europa-Abgeordneter der Grünen, und Winfried Wolf, Bundestagsabgeordneter der PDS. Am Ende schien die Lösung da. Alle Eingeschlossenen waren bereit, mit der nur 500 Meter entfernt haltenden S-Bahn den Platz zu verlassen.
Doch dann wurde der Einsatzleiter vor Ort, Volker Besnehm, der schon zugestimmt hatte, zurückgepfiffen: 918mal schnappten die Plastikhandschellen zu. Gegen alle Festgenommenen sollen jetzt Verfahren wegen Teilnahme an einer „verbotenen Versammlung“ eingeleitet werden. Walter Jakobs Seiten 7 und 10
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