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■ betr.: „Der späte Beginn eines Frauenlebens“, taz vom 1.9.1994

Als Mitarbeiter der Fachhochschule, die heute den Namen Alice Salomons trägt, haben wir Ihren im wesentlichen recht gut recherchierten Artikel mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen.

Natürlich muß in einem kurzen Beitrag vieles fehlen; um so wichtiger wäre aber der Hinweis auf die Autobiographie Salomons gewesen, zur Vertiefung für Interessierte.

Durchaus mehr Beachtung verdient z.B. die internationale Rolle Salomons sowohl für die Frauenbewegung als auch für die wissenschaftliche Entwicklung der Sozialarbeit in Deutschland. Beides wäre ohne die betont internationale Aufgeschlossenheit Salomons provinzieller geblieben.

Daß sie diese Internationalität nach dem Ersten Weltkrieg weiter aufrechterhielt, als der Mainstream der Frauenbewegung unter Leitung von Gertrud Bäumer den chauvinistischen Nationalismus pflegte, war nur ein Anlaß zum Bruch Salomons mit der Frauenbewegung. Der weitere aber, den Sie nicht erwähnen, war der wachsende Antisemitismus: Es genügten zu dieser Zeit bereits der jüdische Name und die jüdischen Vorfahren, um Salomon nicht nur vom Vorstand, sondern von der Vizepräsidentschaft des deutschen Frauenbundes auszuschließen.

Dieser Antisemitismus in der deutschen Frauenbewegung wird in ihrem Artikel – und auch in dem folgenden zu Gertrud Bäumer – nicht einmal erwähnt. Es wird Zeit, dies nicht länger unter den Teppich zu kehren.

Salomon war schließlich nicht irgendein Mitglied des Vorstandes, sondern war als Nachfolgerin von Bäumer vorgesehen. Dieser Teil ihres Lebenswerkes – Salomon selbst hat ihre Arbeit in der Frauenbewegung so gesehen – wurde also nicht erst von den Nationalsozialisten zerstört!

Übrigens meinen wir – und arbeiten daran –, daß ein Lebenswerk wie das von Salomon nicht endgültig zerstört werden kann. Zwar hat es lange gedauert, bis die Fachhochschule für Sozialarbeit wieder den Namen Alice Salomons tragen konnte, aber sie trägt ihn. Und wir werden weiterhin daran arbeiten, daß dieser Name auch wieder mit der Tradition jüdischer Sozialarbeit verknüpft wird, die es zunehmend in Berlin wieder gibt. Rolf Landwehr, Alice-Salomon- Fachhochschule

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