Erkaufte Klicks: Das Geschäft mit dem Klickbetrug

Googles Imperium baut auf Web-Reklame auf, die pro Klick bezahlt wird - ebenso wie Microsoft/Yahoo auch. Das Problem: Betrugsfälle häufen sich.

"Klicken sie hier" - Anzeigen im Internet Bild: ap

Die neusten Zahlen sehen schlecht aus: Das Web-Sicherheitsunternehmen Click Forensics stellte jüngst fest, dass im vierten Quartal 2007 der so genannte Klickbetrug um weitere 16 Prozent zugenommen hat. Die Statistik, die auf Auswertungen bei Kunden fußt, denen Click Forensics gegen Betrugsfälle hilft, zeigt, dass die durch Google populär gemachte Reklameform weiterhin ein Problemfeld bleibt - selbst wenn die große Suchmaschine selbst sagt, sie habe sie im Griff.

Google war und ist auch deshalb so erfolgreich, weil die bei der großen Suchmaschine und ihren Partnern geschaltete Werbung sehr zielführend ist. Will etwa eine Online-Zeitung mehr Leser, kann sie sie sich so pro Klick "erkaufen", in dem Nutzer über Suchmaschinen-Werbung auf die eigene Seite gelockt werden. Die reine Einblendung einer Werbebotschaft kostet hingegen zunächst nichts. Auch Yahoo und Microsoft werden die erfolgreiche Reklameform stark verfolgen, sollten beide Unternehmen tatsächlich fusionieren - auch schon für sich genommen gibt es dort entsprechende Programme, die in den letzten Jahren stark vorangetreiben wurden.

Klickbetrug entsteht aus zwei unterschiedlichen Motivationen: Entweder will der Betrüger selbst damit verdienen oder er möchte einem Konkurrenten schaden. Die Experten zufolge am häufigsten vorkommende Variante ist Motivation Nummer eins: Der "Reklamegangster" will Mehreinnahmen für seine Online-Präsenz. Dazu setzt er häufig ein ganzes Netzwerk an Web-Angeboten mit oftmals banalen, im so genannten Suchmarketing aber als wertvoll bewerteten Inhalten auf und stellt beispielsweise Adsense-Anzeigen von Google daneben. Diese werden passend zu den jeweiligen Seiten ausgewählt - enthalten sie Begriffe, für die Werbetreibende viel Geld pro Klick zahlen (etwa aus den Bereichen Kreditwesen, Recht oder Medizin), lohnt sich dies besonders. Anschließend engagiert der Betrüger eine zweite Person, die das eigentlich Klicken ausführt.

Die alte Methode war, dass ganze indische Dörfer damit beschäftigt wurden. Inzwischen sind die Filter bei Google & Co. jedoch längst darauf eingestellt - solche Werbeklicks werden oft nicht gewertet und bringen deshalb kein Geld. Die schlauere und weitgehend nicht nachverfolgbare Methode sind dagegen so genannte Bots: Computerviren, die Tausende befallener Windows-PCs automatisiert Anzeigen virtuell anklicken lassen, ohne dass der oft unbedarfte Benutzer etwas davon mitbekäme. Der Betrüger kann dann am Ende des Monats den Google-Scheck einstecken, sollte der Suchmaschine die Aktion wirklich nicht aufgefallen sein.

Geschadet wird damit nicht nur Google als verlässlicher Werbemaschine, sondern vor allem auch den Werbetreibenden. Diese erhalten Klicks, die sich nicht in Einnahmen ummünzen lassen. Schwerwiegender wird es noch, wenn Motivation Nummer zwei ins Spiel kommt: Die Schädigung der Konkurrenz. So soll es Klickbetrüger geben, die gezielt auf Suchmaschinen- und Website-Reklame klicken lassen, damit der Etat des Werbetreibenden, der im Wettbewerb zu einem selbst steht, möglichst schnell verbraucht wird - und verpufft. Google erlaubt zwar das Setzen von Limits, doch wenn das Budget unnütz verbraucht ist, hilft dies auch nicht viel.

Google und andere große "Pay per Click"-Werber besitzen natürlich ausgefeilte Methoden, Betrugsfälle möglichst zu minimieren. Allein, die oftmals geheimen Mechanismen greifen immer nur zu einem gewissen Teil. Insbesondere der Bot-Problematik, bei der von zahllosen Rechnern in der ganzen Welt aus automatisiert "geklickt" wird, lässt sich nur schwer beikommen, da das Muster, das sie hinterlassen, dem echter Personen nahe kommt - IP-Adressen und Klicks wirken auf den ersten Blick zufällig. Doch bei Google und anderswo arbeitet man bereits an Technologien, die die Art des Klickens und die Verweildauer auf Seiten auf Muster abklopft, die nur automatisiert vorkommen können.

Eine weitere Methode, Klickbetrug zu bekämpfen, liegt in einer Änderung der Abrechnungsverfahren. Schon werden "Pay per Action"-Bezahlweisen angeboten, die dem Werbetreibenden nur dann etwas kostet, wenn der Klickende eine Aktion, etwa eine Bestellung, durchgeführt hat. (Von diesem Prinzip lebt eine ganze Branche, die so genannten Affiliate-Werber - hier gibt's nur dann anteilig Geld für den Webmaster, wenn der Kunde wirklich bezahlt hat.) Das Problem, dass der Klickbetrug weiter zunimmt, dürfte sich jedoch auch in Zukunft kaum in den Griff bekommen lassen. Ein Seitenabruf-Riese wie Google kann dies allerdings abfedern, in dem er Online-Werber möglichst konservativ zur Kasse bittet - und die Webmaster entsprechend knausriger entlohnt, also Klicks nicht immer wirklich zählt. Das ist umso einfacher, weil Google den Site-Betreibern, auf denen seine Werbung erscheint, nie genau mitteilt, wie viel Geld tatsächlich bei ihnen mit der Klickreklame verdient wurde - das nimmt sich der Internet-Konzern nämlich in seinen Geschäftsbedingungen heraus, ohne dass es zu großem Murren käme.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de