piwik no script img

Empfehlungen zur Buchmesse Bücher mit Zukunft

Von Politik und Ökonomie, der liberalen Demokratie und der fossilen Moderne bis zu Michel Foucault und dem Silicon Valley. Die taz FUTURZWEI-Redaktion bespricht die wichtigsten Bücher des Herbstes.

taz FUTURZWEI | Die taz FUTURZWEI-Bestenliste passend zur Buchmesse in Frankfurt. Die Liste wird kuratiert von der taz FUTURZWEI-Redaktion. Mit Beiträgen von Andreas Fanizadeh (taz-Feuilleton-Chefkorrespondent), Dana Giesecke (wissenschaftliche Leiterin FUTURZWEI), Beate Willms (taz-Ressortleiterin Ökologie und Wirtschaft) und Jan Feddersen.

PHILIP MANOW: Spaltungslinien

Zwei breite, gezackte Linien in Gelb und Blau verlaufen diagonal über einen weißen Hintergrund. Im oberen Bereich steht der Name des Autors in Großbuchstaben. Darunter folgt der Buchtitel in schwarzer Schrift, gefolgt von einem Untertitel in kleinerer Schriftgröße. Unten links befinden sich zwei schwarze Rechtecke mit weißer Schrift, die Verlags- und Editionsangaben enthalten.

Gern wird die Fantasie bewahrt, die Linken seien gut und die Rechten böse beziehungsweise andersherum. Die Linken seien Arbeiter und Beamte, die Rechten Besitzbürger und Unternehmer, die Linken kollektivistisch und internationalistisch, die Rechten neoliberal und national. Nun wählen Arbeiter vermehrt AfD, bieten Rechtspopulisten linke Verteilungspolitik an und sowohl Rechts- wie Linkspopulisten sind europaphob. Sind Sie verwirrt? Philip Manow klärt auf!

Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaats. C.H.Beck 2026 – 173 Seiten, 18,00 Euro

GÜNER YASEMIN BALCI: Heimatland

Eine Frau mit verschränkten Armen steht im Vordergrund, trägt eine dunkle Jacke und einen grauen Schal. Sie blickt ernst in die Kamera. Im Hintergrund ist eine unscharfe, abendliche Landschaft mit bewölktem Himmel zu sehen. Der Titel des Buches, der Name der Autorin und weitere Textelemente sind in leuchtend grüner und oranger Schrift auf dem Cover platziert. Unten rechts befindet sich das Logo des Berlin verlags.

Bild: Berlin Verlag

Sie weiß, wovon sie redet, wenn von »Neukölln« die Rede ist, sie ist nämlich in diesem Berliner Stadtteil aufgewachsen. Und das unterscheidet sie von allen KritikerInnen, die über ihr Buch »rechtes Narrativ« ausrufen – und stets schon qua Mittelschichtsherkunft keine Ahnung haben. Balcı skizziert eine deutsche Wirklichkeit, die sich wie Islamismus, Verwahrlosung und Frauenentrechtung buchstabiert. Es ist das Buch der Zeit, es beschönigt nichts. Absolut rassismusfrei, nix für vulgäre Antifa. (Jan Feddersen)

Heimatland. Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie. Berlin Verlag 2025 – 320 Seiten, 24,00 Euro

KRISTINA LUNZ/DÜZEN TEKKAL: Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?

Große, gelbe Schrift steht im Vordergrund auf einem unscharfen Hintergrund. Oben sind zwei Namen in weißer Schrift zu sehen. Darunter folgt der Titel in gelber Schrift: 'WER HAT EUCH ERLAUBT, FRAUEN SO ZU HASSEN?'. Ein rotes Rechteck mit weißer Schrift trägt die Kennzeichnung 'SPIEGEL Bestseller'. Unten steht in kleinerer, roter Schrift: 'Für eine Gesellschaft, in der alle sicher sind'. Am unteren Rand sind die Verlagsbezeichnung 'HEYNE' und der Begriff 'EIN MANIFEST' in weißer und lila Schrift abgebildet.

Bild: Heyne Verlag/Penguin

Nach Epstein, Pelicot, Fernandes und angesichts der Un-menge männlicher Gewalt gegen Frauen: 10 Forderungen an die Bundes-regierung, um Frauen besser gegen männliche Gewalt zu schützen.

Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen? Für eine Gesellschaft, in der alle sicher sind. Heyne 2026 – 176 Seiten, 16,00 Euro

CAROLIN AMLINGER U. A.: Auserzählt

Roter Buchumschlag mit einer halbtransparenten Fläche, auf der Titel und weitere Informationen in weißer und schwarzer Schrift stehen. Im Hintergrund ist eine detailreiche, schwarz-weiße Zeichnung mit mythologischen oder historischen Figuren zu erkennen. Oben steht in großer Schrift der Zeitschriftentitel 'Mittelweg 36'. Darunter folgt der Titel des Hefts 'Auserzählt. Narrative vom Ende und das Ende der Narrative' sowie eine Liste von Autorennamen. Am unteren Rand werden weitere Informationen zur Ausgabe und zum Ort genannt.

Bild: Hamburger Institut für Sozialforschung

Eine erneuerte „Großerzählung“ soll den Menschen in den liberalen Demokratien (also uns) wieder Sinn, Orientierung und Mut geben. Tja. Es gibt aber keine. Und wenn, dann autoritär und/oder destruktiv. Die Zeitschrift Mittelweg 36 hat auch keine, schafft aber sehr gute Orientierung in dieser Problemlage.

Auserzählt. Narrative vom Ende und das Ende der Narrative. Mittelweg 36, die Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 2026 – 14,00 Euro

ANDREAS FOLKERS: Fossile Moderne

Dunkelblauer Hintergrund mit gelber und weißer Schrift. Oben steht der Name des Autors in großer gelber Schrift, darunter der Buchtitel in etwas kleinerer gelber Schrift. Die Unterzeile und Verlagsangabe sind in weißer Schrift gehalten. Es sind keine grafischen Elemente oder Bilder zu sehen.

Bild: Suhrkamp Verlag

Moderne Gesellschaften wären ohne fossile Energie nicht entstanden, ihre Errungenschaften auch nicht. Das notwendige Umgehen mit den Rückständen und Folgen ist viel tiefgreifender als Austausch der Energieformen. Toll geschrieben. (Beate Willms)

Fossile Moderne. Eine Naturgeschichte der Gegenwart. Suhrkamp 2026 – 500 Seiten, 28,00 Euro

DIDIER ERIBON: Michel Foucault

Ein Mann mit kahlrasiertem Kopf und Brille stützt den Kopf auf eine Hand und blickt direkt nach vorn. Das Porträt ist in schwarz-weiß gehalten. Im oberen Bereich steht in großen Buchstaben der Name 'Foucault', darüber in kleinerer gelber Schrift 'Michel'. Ein gelber Kreis mit der Aufschrift 'Erweiterte Neuausgabe' befindet sich rechts oben. Im unteren Bereich sind die Namen 'Didier Eribon' und 'Suhrkamp' sowie der Untertitel 'Eine Biographie' zu lesen.

Bild: Suhrkamp Verlag

Zum 100. Geburtstag des französischen Star-Philosophen erscheint diese sehr spannende Biografie in einer überarbeiteten Neuausgabe. Foucault, der mit nur 57 Jahren an den Folgen einer Aids-Erkrankung starb, gehört zu den bis heute einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts. Eribons Foucault-Porträt vereint neben Ideen- und Wirkungs- auch eine spannende Gesellschaftsgeschichte Frankreichs. (Andreas Fanizadeh)

Michel Foucault. Eine Biographie. Suhrkamp 2026 – 640 Seiten, 38,00 Euro

NIKITA TERYOSHIN: Game of Chairs

Ein unbestechlicher Blick hinter die Kulissen von Parteitagen: klug, überraschend und mit feinem Gespür für die Absurditäten politischer Inszenierung. Bilder, die man in Nachrichtensendungen kaum zu sehen bekommt und die mehr über die Praxis der Politik verraten als viele Analysen. Mit einem Essay von Harald Welzer. (Dana Giesecke)

Game of Chairs. Vom Glanz und Elend der Bundesparteitage. pupupublishing 2026 – 206 Seiten, 55,00 Euro

ADRIAN DAUB: Was das Valley herrschen nennt

Ein einfarbiges Buchcover in kräftigem Pink zeigt zentriert schwarze Schrift. Die oberste Zeile trägt einen Namen, darunter folgen vier Zeilen mit Buchtitel und Verlagsangabe. Das Design ist schlicht, ohne grafische Elemente oder Abbildungen.

Bild: Suhrkamp Verlag

Wie die Tech-Giganten an ihrer Idee einer totalen Herrschaft der KI über Menschen und Gesellschaft arbeiten. Grundlagenlektüre für eine große politische KI-Debatte.

Was das Valley herrschen nennt. edition suhrkamp 2026 – 213 Seiten, 18,00 Euro

🐾 taz FUTURZWEI: Zukunftsfragen zusammen denken und diskursiv voranbringen – wir sind das Magazin für Lösungen. Erhältlich als Einzelheft im taz Shop oder hier im Abo.