: Einzige Lösung: Mobilbauklassen
■ Da das Schnürschuhtheater sich nicht in Mobilbauklassen unterbringen lassen will, scheint das senatorische Projekt „Museum für aktuelle Kunst“ gescheitert zu sein
Für die Nutzergruppen der Weserburg bedeuteten die senatorischen Museums-Pläne von Anfang an den Rausschmiß. Schon im Dezember 1987 erklärten die betroffenen Gruppen der Presse: „Wir werden die Weserburg nicht ohne einen hundertprozentigen Ersatz verlassen, der allen Ansprüchen und Gemeinsamkeiten der jetzigen Nutzer (von der zentralen Lage bis zu adäquatem Zustand und Größe) entspricht“.
Passiert ist seitdem so gut wie nichts. Jugend- und Sozialsenator Henning Scherf verwies zwar im Februar dieses Jahres auf die zu erwartende Schließung weiterer Schulen in den nächsten Jahren. Und Kultursenator Thomas Franke sagte den auszugs-unwilligen Nutzergruppen im März seine Unterstützung bei der Suche nach adäquaten Räumlichkeiten zu.
Nun sieht es so aus, als ob das Senatskonzept, die Weserburg zu einem Museum für aktuelle Kunst umzubauen, scheitern muß, weil, so das betroffene Schnürschuhtheater, die chaotische Planung keinerlei annehmbare Räumlichkeiten für die bisherigen Nutzer
bereithält. Hinhaltetaktik, schimpft Reinhard Lippelt vom Schnürschuhtheater. Fünf mögliche Standorte, die das Schnürschuhtheater dem Senat vorgeschlagen hat, wurden mit dem Verweis einer nicht möglichen Nutzung abgebügelt: Das Gymnasium am Leibnizplatz wird ein Ausbildungszentrum. Die Schule am Barkhof, deren Aula sich für eine sinnvolle Nutzung eines Theaters anbieten würde, wird der Uni Bremen zugeschlagen, „weil die“, so Lippelt, „Bundesmittel in den Topf geworfen hat“. Das Alte Gymnasium scheidet aus, weil die Musikschule dort untergebracht werden soll, deren Haus am Osterdeich verkauft wird. Das Müllabfuhrgebäude am Buntentorsteinweg ist schon verkauft, sagt Dr. Herlyn vom Senator für Wissenschaft und Kunst. Eine Anfrage bei den jetzigen Nutzern ergab: Das Gebäude gehört der Stadt und darf nicht verkauft werden.
Schnürschuhtheaters letzter Notnagel war das „Haus am Deich“. Scheidet auch aus. Wird künftig von der neuen Kulturwerkstatt benutzt. Da bleibt kein
Raum für die Schnürschuhe.
Nun hat der Senat gnädigerweise vor, das Schnürschuhtheater in drei Mobilbauklassen am Rande der Stadt (Osterholz, Schule Graubündener Straße) abzuschieben. Herr Lankenan vom Senator für Wissenschaft und Kunst gab dafür grünes Licht. „Unzumutbar“, sagt Reinhard Lippelt. „Wir sind auf die Kommunikation mit anderen Gruppen angewiesen und können uns nicht leisten, im fernen Blockdiek zu proben und zu spielen“. Nicht nur die geographische Lage ist für das Schnürschuhtheater indiskutabel. „Es gibt einfach keine Möglichkeit, dort richtig zu proben, die barackenähnlichen Räumlichkeiten sind zu klein für eine sinnvolle Theaterarbeit“.
Das Schnürschuh-Theater hat sich nach den langen Verhandlungen mit dem Senat, deren sichtbares Ergebnis nur diese („zynische“) Lösung sein soll, nun entschieden, nicht in irgendwelche Mobilbauklassen zu ziehen, sondern im Teerhof zu bleiben. Damit scheint das „Museum für aktuelle Kunst“ gescheitert zu sein.
Regina Keichel
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen