: Eine Renaissance der APO?
■ Am Wochenende lädt das Bürgerforum Paulskirche zum zweiten „Ratschlag“ ein
Frankfurt/Main (taz) – Perspektiven für eine „demokratische, gerechte, gewaltfreie Gesellschaft in neuer Verfassung“ sollen am kommenden Wochenende auf dem zweiten „großen Ratschlag“ des Bürgerforums Paulskirche in Frankfurt am Main entwickelt werden. Von einem solch vorzeigbaren Ergebnis der auf zwei Tage terminierten Veranstaltungsreihe träumen jedenfalls die VeranstalterInnen aus den mehr als 50 außerparlamentarischen Organisationen und Initiativen, die sich vor zwei Jahren zum Bürgerforum Paulskirche zusammengeschlossen haben. An die Ideale der Paulskirchenbewegung von 1848 wollen sie anknüpfen – aber für nicht wenige Historiker haben gerade die Paulskirchenparlamentarier, die einem nach der Märzrevolution geschlagenen preußischen König die deutsche Kaiserkrone andienten, die Ideale der deutschen Revolution von 1848 verraten. Dennoch. Gerade im Superwahljahr, so die Analyse der SprecherInnen des Bürgerforums, würden die etablierten Parteien ihre Politik „weitgehend koordinieren“. Und um dieser Situation wirksam begegnen zu können, müßten die außerparlamentarischen Gruppen und Bewegungen, die sich in einem breiten Themenspektrum bereits „hochgradige Kompetenz“ erworben hätten, einen „politischen und organisatorischen Zusammenhang“ herstellen. Denn: „Es gibt praktikable Alternativen zur herrschenden Politik. Und diese Alternativen lassen sich nur in anderen, in neuen politischen und gesellschaftlichen Strukturen umsetzen.“
Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am Sonnabend mit einer „Revue gegen Fremdenhaß und Antisemitismus“ im Schauspielhaus. Mitwirken werden unter anderem das Frankfurter Kurorchester, der Jazzer Emil Mangelsdorff, die Kabarettisten Henning Venske und Michael Quast und der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter. Am Sonntag folgt die Hauptveranstaltung mit acht Foren und dreizehn „Themenräumen“ in den Räumlichkeiten der Frankfurter Universität. Helga Einsele, Brigitte Erler, Dany Cohn-Bendit, Christian Ströbele und andere wollen dort mit den TeilnehmerInnen über Themen wie „Demokratie, Verfassung, Zivilcourage“, „soziale Demontage“ oder die „Verfassung der Einwanderergesellschaft“ diskutieren – und „Utopien entwickeln“. Klaus-Peter Klingelschmitt
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen