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Ein Gewerkschafter mit Manager-Appeal

■ DGB-Vorstand nominierte am Sonntag Dieter Schulte als Nachfolger Meyers / Der neue DGB-Chef will die Gewerkschaften in einem gemeinsamen Projekt für Vollbeschäftigung zusammenführen

Berlin (taz) – Für den Posten ist er durchaus der richtige Mann. Schlanker Managertyp mit obligatorischer Halbbrille, sonore Stimme, Trenchcoat, die richtige Außenwirkung im Fernsehzeitalter – und dabei von der Biographie her ein „Mustergewerkschafter“. Am Sonntag wurde Dieter Schulte, IG-Metall-Vorstandsmitglied, vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum neuen DGB-Vorsitzenden nominiert.

Mit 13:5 Stimmen entschied sich der DGB-Bundesvorstand für Schulte. Auf dem Weg an die Spitze des DGB hat der 54jährige damit die schwierigste Hürde genommen. In drei Wochen soll der Nachfolger des verstorbenen Heinz-Werner Meyer auf dem 15. ordentlichen Bundeskongreß in Berlin gewählt werden.

Nach seiner Nominierung erklärte Schulte, er wolle künftig den DGB und die Einzelgewerkschaften in einem gemeinsamen Projekt für Vollbeschäftigung und humane Gestaltung zusammenführen. Der DGB dürfe nicht nur reagieren, sondern müsse aktiv Vorschläge für eine Reform des Sozialstaates erarbeiten. „Wir müssen aus der Defensive, in die uns die Konservativen gebracht haben, herauskommen“, so Schulte. Er wolle sich auch um die Belange der Frauen kümmern und die Jugend stärker für die Gewerkschaftsarbeit begeistern, indem zum Beispiel Themen wie die Ökologie stärker aufgegriffen würden.

Schulte ist gelernter Maurer, begann aber 1959 als Brenner bei Thyssen. Seit 1990 war er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Thyssen Stahl AG. Seit 1991 gehörte er dem geschäftsführenden Vorstand der IG Metall an. Deren Vorsitzender Klaus Zwickel hatte den vom Typ her stark an Franz Steinkühler erinnernden Schulte unmittelbar nach Meyers Beerdigung vorgeschlagen.

IG-Chemie-Chef Hermann Rappe betonte gestern, die Nominierung Schultes sei auch ein Signal, „die IG Metall in den Prozeß der DGB-Reform einzubinden“. „Bei mir hat auch eine Rolle gespielt, daß ich Herrn Schulte schon lange kenne“, sagte Rappe. Die IG Medien hatte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer für den DGB-Vorsitz vorgeschlagen. In Gewerkschaftskreisen war ihr aber mangelnde „Konsensfähigkeit“ nachgesagt worden. Diese Kritik aus Kreisen des DGB habe sie „sehr betroffen gemacht“, erklärte Engelen-Kefer gegenüber der taz. Sie wolle aber weiterhin stellvertretende Vorsitzende bleiben.

ÖTV-Chefin Monika Wulf- Mathies hatte es abgelehnt, für eine Nominierung als DGB-Vorsitzende zur Verfügung zu stehen. BD

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