: Ein Gespräch als Schachzug
■ Birmas Junta-Chef traf mit Aung San Suu Kyi zusammen
Bangkok (AFP) – Das überraschende Treffen des birmanischen Junta-Chefs, General Than Shwe, mit der prominentesten politischen Gefangenen des Landes, Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, hat große Hoffnungen geweckt. Die Mittwochszeitungen Birmas, die die Nachricht trotz strenger Zensur in großer Aufmachung auf der ersten Seite bringen durften, wurden zum doppelten Preis verkauft und waren dennoch binnen kürzester Zeit vergriffen.
„Das Treffen an sich ist sicher schon ein Schritt nach vorn, vor allem, wenn sich ein wirklicher Dialog anschließen sollte“, urteilte ein westlicher Diplomat in Rangun. Für Aung San Suu Kyi war das Treffen die erste Gelegenheit seit über fünf Jahren, ihr streng bewachtes Haus am Lake Rangoon für kurze Zeit zu verlassen: Das einstündige Gespäch, über dessen Inhalt nichts verlautete, fand im birmanischen Verteidigungsministerium statt.
Beobachter sehen in dem offiziell als „freundlich“ gewerteten Gespräch die Antwort Ranguns auf die diplomatische Aufwertung, die die birmanische Junta nach Jahren der Ächtung im Juli mit der erstmaligen Einladung zum Bangkoker Asean-Gipfel der südostasiatischen Staaten erfahren hatte.
Von einem demokratischen Wandel scheint Birma indessen Lichtjahre entfernt. Weder wurde bislang eine spürbare Lockerung des Hausarrests für Aung San Suu Kyi in Aussicht gestellt, noch gibt es Anzeichen für eine Bereitschaft der Militärs, die 1988 usurpierte Macht auch nur stückweise abzugeben. Exilierte Oppositionspolitiker sehen in dem Treffen vielmehr einen Schachzug, um ausländischen Investitionen den Weg zu ebnen und Unterstützung für die neue Verfassung zu gewinnen, in der die Junta die führende Rolle der Armee festschreiben will.
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