DIE WELT-AIDS-KONFERENZ IST DEM EIGENEN MOTTO GERECHT GEWORDEN: Ein Funken Hoffnung
Kein Zweifel, die Welt-Aids-Konferenz in Durban war ein Erfolg. Der liegt sicher weniger im wissenschaftlichen Bereich als vielmehr darin, dem eigenen Motto gerecht geworden zu sein: Das Schweigen brechen. Gerade in Afrika ist das noch immer schwer. Und dennoch entfaltete das Motto hier eine ganz eigene, unerwartete Dymamik: Gebrochen wurde in Durban vor allem das Schweigen zwischen Erster und Dritter Welt. Die Anti-Aids- Aktivisten aus dem Norden mussten lernen, dass Aids in Afrika eine Katastrophe von geradezu apokalyptischem Ausmaß ist, die mindestens eine ganze Generation ausradieren wird.
In diesem – und nur in diesem – Punkt hat der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki Recht, wenn er argumentiert, dass die Aufmerksamkeit viel stärker als bisher hierauf gerichtet werden muss. Das darf allerdings nur der Anfang einer Debatte sein, nicht ihr Ende. Gelernt hat der Westen in Durban hoffentlich auch, dass Lösungsansätze zur Aidsbekämpfung notwendig sind, die alles bisher Getane in den Schatten stellen. Die Preissenkung für Medikamente ist ein erster, notwendiger Schritt. Das reicht aber nicht: Einen unterernährten afrikanischen Dorfbewohner, der keine Uhr und kein sauberes Wasser, geschweige denn einen Arzt hat, kann man nicht mit schweren antiretroviralen Kombipräparaten therapieren, selbst wenn sie umsonst sind.
Spätestens nach Durban muss die Welt umdenken und Anstrengungen unternehmen, die weit über Investitionen in die medizinische Forschung hinausgehen. Dazu gehören Aufklärungsprogramme ebenso wie die Entwicklung eines Impfstoffs, auf Jahre hinaus die einzige Hoffnung für die armen Länder. Dazu gehört allerdings auch politischer Wille: In Afrika muss Aids als Problem überhaupt zur Kenntnis genommen und weniger Geld für sinnlose Kriege verschleudert werden; die Industrienationen müssen ihre gängigen Entwicklungshilfekonzepte radikal überdenken. Nur wenn das Schweigen nicht gleich wieder zur vorherrschenden Haltung wird, gibt es einen Funken Hoffnung. KORDULA DOERFLER
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