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Editorial

Nur 58 Prozent der Berliner Abiturienten dieses Jahres wollen an einer Berliner Hochschule studieren. Im vergangenen Jahr waren es noch 77 Prozent – Zeichen eines drastischen Attraktivitätsverlusts des Hochschulstandorts Berlin? Vieles spricht dafür, und den wichtigsten Gründen dafür geht dieses UNIspecial nach. Da wären Ärgernisse des Alltags, die das Uni-Leben versauern können. Die leidige Wohnungssuche, die in vielen Fällen in einem illegalen Untermietverhältnis endet; die katastrophale Verkehrspolitik in dieser Stadt; die wenig benutzerfreundlichen Bibliotheken; die Folterwerkzeuge, die den Studierenden unter anderem in Form der „Zwangsberatung“ gezeigt werden.

Vor allem aber sind es die schlechten Studienbedingungen an den Unis selbst, die sich durch die Sparbeschlüsse des Senats in den nächsten Jahren weiter verschlechtern werden. Ihnen ist ausgeliefert, wer sich nicht an Elite-Kaderschmieden wie die Europäische Wirtschaftshochschule flüchten kann oder will. Dabei scheint es, als gebrauchten die Finanzpolitiker die „Zukunftsinstitution“ Hochschule als wohlfeilen Steinbruch zur Sanierung der desolaten Berliner Finanzen. Widerstände aus einer breiteren Öffentlichkeit sind nicht zu erwarten, ist das Image der Universitäten doch ohnehin am Boden.

Dabei hat Berlin im Verhältnis zur Einwohnerzahl schon heute weniger Studierende als westdeutsche Metropolen. Der gern bemühte Vergleich mit Flächenstaaten führt in die Irre, es sei denn, man wollte in Berlin allen Ernstes eine Hochschuldichte wie auf dem platten Land. Das allerdings würde alle Sonntagsreden von der Hauptstadtfunktion und der Innovationsfähigkeit der Metropole Berlin als leere Rhetorik entlarven.

rab

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