Ecuadors Präsident in Erklärungsnot: Kolumbianische Guerilla-Wahlhilfe

Die kolumbianische Guerilla soll den heutigen Präsidenten Ecuadors, Rafael Correa, finanziell unterstützt haben. Der will davon nichts wissen. Ein Farc-Video soll es beweisen.

Ausschnitt aus dem Video, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Bild: ap

BUENOS AIRES taz | Die kolumbianische Farc-Guerilla soll 2006 den Wahlkampf von Ecuadors späterem Präsidenten Rafael Correa finanziell unterstützt haben. Die geht aus einem Video hervor, das die kolumbianische Staatsanwaltschaft Ende vergangener Woche öffentlich gemacht hatte. Der US-Nachrichtenagentur AP wurde ein Ausschnitt aus einen Video überlassen, das nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Mai bei einer mutmaßlichen Angehörigen der Farc gefunden wurde.

Der Ausschnitt zeigt eine Versammlung von Farc-Kämpfern unter freien Himmel. Dabei spricht Farc-Militärchef Jorge Briceño von einer Finanzhilfe für Correas Präsidentschaftswahlkampf 2006. Wörtlich ist zu hören: "Hilfe in Dollar für die Wahlkampagne von Correa und spätere Gespräche mit seinen Abgesandten, einschließlich einiger Vereinbarungen."

Bei den von Briceño gemachten Angaben soll es sich um eine Aufzählung von Material und Unterlagen handeln, die der kolumbianischen Armee nach ihrem Angriff im März 2008 auf ein Lager der Farc in die Hände gefallen ist. Bei dem Militärschlag auf ecuadorianischem Hoheitsgebiet waren der Sprecher der Farc, Raúl Reyes, und 24 weitere Guerilleros getötet worden war. Der Vorfall hatte damals zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch der beiden Regierungen und zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen geführt. Zwar wurden die Beziehungen wieder aufgenommen, aber im Grenzgebiet der Länder herrscht noch immer eine latente militärische Spannung.

Dass die kolumbianische Staatsanwaltschaft das Video jetzt veröffentlichen ließ, könnte eine Retourkutsche für den von einem ecuadorianischen Richter Ende Juni erlassenen Haftbefehl gegen den früheren kolumbianischen Verteidigungsminister Juan Manuel Santos wegen Mordes an den 25 Farc-Kämpfern sein. Santos war verantwortlich für den Angriff auf das Lager der Farc. Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für die nächsten Präsidentschaftswahlen in Kolumbien. Vergangene Woche hatte ein Provinzgericht den Haftbefehl bestätigt, woraufhin die ecuadorianische Generalstaatsanwaltschaft ein Auslieferungsersuchen an die kolumbianischen Justizbehörden nicht mehr ausgeschlossen hatte.

Ecuadors Präsident Correa sprach von einem "Großangriff der Rechten" als Teil eines regionalen Plans, um seine fortschrittliche Regierung zu destabilisieren. In seinem samstäglichen Fernsehprogramm "Diálogo con el Presidente" lud er seinen kolumbianischen Amtskollegen Álvaro Uribe ein, "sich gemeinsam vor unserer jeweiligen Bevölkerung an einen Lügendetektor anschließen und uns fragen lassen, ob wir irgendetwas mit den Farc, den Paramilitärs oder dem Drogenhandel zu tun haben."

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben