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Echte und vorgetäuschte Brandanschläge

■ Asylbewerberheim mit Molotowcocktail angegriffen / In Hattingen soll türkische Bewohnerin Feuer gelegt haben

Bochum (taz) – Auf eine Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Marsberg ist am Mittwoch abend ein Brandanschlag verübt worden. Von den 25 aus Ex-Jugoslawien stammenden Flüchtlingen wurde niemand verletzt. Nach Angaben der Arnsberger Staatsanwaltschaft hatten zwei Männer gegen 22 Uhr aus einem angrenzenden Waldstück einen Molotowcocktail auf den Hinterhof des Gebäudes geschleudert. Der Brandkörper sei von den Bewohnern unmittelbar danach entdeckt und unschädlich gemacht worden. Die Polizei nahm aufgrund von Zeugenaussagen noch in der Nacht einen 18jährigen Mann und dessen 38jährigen Onkel fest. Über die Hintergründe der Tat wurde gestern noch nichts bekannt. Die Sonderermittlungsgruppe zur Aufklärung fremdenfeindlicher Straftaten bei der Dortmunder Polizei hat den Fall übernommen.

Auf ein von acht türkischen Familien bewohntes Haus im Essener Stadtteil Kray ist am Mittwoch ein Brandanschlag verübt worden. Eine Türkin konnte das Feuer nach Polizeiangaben rechtzeitig löschen. Es gab keine Verletzten. Unbekannte hatten einen Brandsatz durch ein offenes Fenster in der ersten Etage des Wohnhauses geworfen.

Der Brand in einem Haus der Hattinger Unionstraße beruht offenbar nicht auf einem Fremdtäter. Nach Angaben der zuständigen Essener Staatsanwaltschaft gibt es „keinen vernüftigen Zweifel“ daran, daß das Feuer von der Ehefrau der im Haus lebenden türkischen Familie selbst gelegt worden ist. Bei dem Feuer in der Nacht zum 5.6.1993 brannte das zweigeschossige Haus völlig aus. Nachbarn hatten die 32jährige Frau mit ihren fünf Kindern im Alter zwischen 2 und 14 Jahren hilferufend auf der Straße gefunden. Der Ehemann arbeitete während der Brandnacht auf Nachtschicht bei Thyssen. Die Türkin bestreitet, den Brand gelegt zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen dagegen von „objektiven Tatbefunden“, die ein Fremdverschulden ausschlössen. Im Haus seien insgesamt acht voneinander unabhängige Brandherde gefunden worden, von denen sich einige „in zugeschlossenen Räumen im Erdgeschoß und im ersten Stockwerk“ befunden hätten.

Brand in Hattingen von Bewohnerin gelegt

Wörtlich heißt es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft weiter: „Die passenden Schlüssel fanden sich an ihren ordnungsgemäßen Plätzen. Die entsprechenden Schlösser wiesen keine Spuren von Fremdeinwirkung auf. Fensterläden, die nach Angaben der Frau Ü. geschlossen gewesen sein sollen, haben tatsächlich offengestanden und sind auch nicht gewaltsam geöffnet worden.“ Auch die Schilderungen der Frau über den vermeintlichen Täter, den sie aus dem Haus fliehend bemerkt haben will, seien „duch objektive Feststellungen widerlegt“. So sei das Fenster, durch das der Mann geflüchtet sein soll, beim Eintreffen der Feuerwehr verschlossen gewesen. Die Brandherde seien so angelegt worden, daß eine Behinderung des Fluchtweges „nahezu ausgeschlossen war“. Über die möglichen Motive gibt es bisher nur Spekulationen. Einen geplanten Versicherungsbetrug „sehen wir gar nicht“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Nach dem jetzigen Stand müsse die Türkin mit einer Anklage wegen schwerer Brandstiftung rechnen. Walter Jakobs

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