EMtaz: Gruppe C: Nordirland – Schland

Gegner gesucht

Die nordirischen Fans sind die deutlich besseren Sänger. Ihre Heroes haben allerdings keine Chance gegen eine spielfreudige DFB-Elf. Das 1:0 ist zu wenig.

Mario Gomez (r.) will einen von McAuley geschlagenen Ball blocken

Kommt ein Gomez in die Startelf geflogen Foto: reuters

Die Startbedingungen: Ein Raunen ist zwischen Nordsee und den Alpen vernehmbar. Die Nation stellt fest: Jogi Löw beruft gegen Nordirland eine echte Neun in die Startelf! Heißt Mario Go., mit Mario Gö. nicht verwandt. Zweiterer gilt als falschester Neuner ever (hat aber immerhin schon mal ein WM-Siegtor geschossen). Deshalb kickt Gö. bei Jogi meistens – auch gegen die Nordiren. Draxler sitzt dafür auf der Bank. Ansonsten? Verteidigt rechts hinten Kimmich (wie gefordert) statt Höwedes.

Der nordirirsche Star heißt Will Grigg, kickt nie, ist aber immer on fire. Wenn Grigg spielt, rennt er übrigens im Sturm rum. Eine Offensivabteilung brauchen die Nordiren aber nicht; ein Nullnull reicht zum Weiterkommen.

Das Vorurteil: Falls Deutschland Remis spielt, geht's im Achtelfinale so gut wie sicher gegen die Schweiz. Diese Chance (auf den damit direkt verbundenen Einzug ins Viertelfinale) dürfen sich Jogis Jungs eigentlich nicht entgehen lassen. Sie verwalten ein schmuckloses 0:0. Nordirland hat nix dagegen.

Das Spiel: Beim anfänglichen Rumgeballer aufs nordirische Tor dürfen alle mal ran, die sowieso nie treffen. Erst Müller (10 WM-Tore, 0 EM-Tore), dann Özil (er kann halt nur vorlegen, nicht abschließen) und zuletzt Götze (in der Vorrunde trifft eine falsche Neun nicht!). Das alles in den Minuten 7 bis 12. Im stürmischen Stil geht's weiter. Müller stellt weiter unter Beweisnot, dass er alles kann – außer EM. Schießt vorbei, trifft den Pfosten, die Latte und bestimmt auch das kleine Fußballmännchen im Männerpissoir. Das so schlecht bewachte nordirische Gehäuse trifft er aber nicht. Drum lässt er den Fachmann ran, also Mario Go., diesen echten Neuner (30. Minute). Halbzeitstand 1:0. Ziemlich gut angesichts so viel inkompetenter Sturmkompetenz. Und die Nordiren? Will Grigg's on fire! Aber auf der Bank…

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Nach der Pause ändert sich nicht viel. Von der nordirischen Eckball-Orgie, die jeden Pornodarsteller neidisch werden lässt (nach einer Stunde gleich zweimal zum Schuss kommen) abgesehen. Für Spannung sorgt nur Kommentator Tom Bartels. Sobald es die Nordiren über die Mittellinie schaffen, hebt er die Stimme wie in der 113. Minute des letzten WM-Finales („mach ihn, er macht ihn“). Vielleicht weiß er bereits, dass im EM-Finale Steffen Simon randarf.

Ergebnis: Nordirland 0, Deutschland 1.

1. GER: 3 - 3:0 - 7

2. POL: 3 - 2:0 - 7

3. NIR: 3 - 2:2 - 3

4. UKR: 3 - 0:5 - 0

Spieler des Spiels: Joshua Kimmich. Hat nur eine Chance kläglich vergeben, ansonsten voll überzeugend. Wusste die taz natürlich schon vorher.

Pfeife des Spiels: Felix Hackenbruch, bisheriger no-name-taz-Prakti und leidenschaftlicher FV-Ravensburg-Fan. Sachdienlicher Halbzeithinweis: „Die Ravensburger spielen jetzt gegen Augsburg im DFB-Pokal. Wird ein richtig krasses Spiel.“ Bitte vormerken!

Das Urteil: Die Nordiren haben durch das 0:1 noch alle Chancen. Brauchten nicht mal Griggs dafür. Great. Und die Deutschen? Statt der Schweiz heißt der Gegner im Achtelfinale Albanien (unwahrscheinlich), Slowakei (gut möglich), Island, Portugal, Österreich oder Ungarn. Selbst schuld!

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