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EG-Botschafter aus Iran abgezogen

■ Khomeini bekräftigte seinen Mordbefehl gegen Rushdie / EG-Diplomaten sollen Iran fernbleiben, bis die Drohungen zurückgenommen werden / Der Chef-Ajatollah widerspricht seinem Staatspräsidenten / Verlag Kiepenheuer & Witsch verteidigt sich gegen Kritik

Brüssel/Teheran (ap/dpa) - Die Satanischen Verse haben den EG-Botschaftern in Teheran jetzt einen Heimaturlaub eingebracht - Imam Khomeini hingegen will Autor Rushdie trotz dessen Erklärung vom Wochenende weiterhin zur Hölle jagen. Der greise Diktator in Teheran erneuerte am Sonntag seinen Mordbefehl gegen den indisch-englischen Literaten.

Aus Protest gegen die Morddrohung beschlossen die zwölf Staaten der Europäischen Gemeinschaft ihre Botschafter in Teheran in die Hauptstädte zurückzurufen. Das gab Bundesaußenminister Genscher am Montag am Rande der Außenministertagung der Gemeinschaft in Brüssel bekannt. Die Botschafter beziehungsweise Geschäftsträger sollen Teheran so lange „zur Berichterstattung“ fernbleiben, bis die gegen Rushdie und seine Verleger ausgestoßenen Morddrohungen zurückgezogen sind. Von wirtschaftlichen Sanktionen war in der EG-Erklärung nicht die Rede.

Khomeini hatte am Vortag in einer als Eilmeldung im Iran verbreiteten Verlautbarung den „imperialistischen Massenmedien“ vorgehalten, sie hätten fälschlich berichtet, daß der Hinrichtungsbefehl aufgehoben werde, wenn Rushdie Reue zeige. Die Nachrichtenagentur 'Irna‘ zitierte Khomeini mit den Worten: „Selbst wenn Salman Rushdie bereut und der frömmste Mann unserer Zeit wird, obliegt es jedem Moslem, sein Leben, sein Vermögen und alles daranzusetzen, ihn zur Hölle zu schicken.“ Meldungen, Rushdie könne unter Umständen vergeben werden, würden „hundertprozentig bestritten“. Khomeini widersprach damit Staatspräsident Chamenei, der am Freitag von einer möglichen Begnadigung des Schriftstellers gesprochen hatte.

Der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch, der wegen der Morddrohung Irans auf eine Veröffentlichung der Satanischen Verse verzichtet, hat sich gegen Kritik an dieser Entscheidung gewehrt. In einer Erklärung nannte der Verlag Vorwürfe, aus Feigheit das Buch nicht zu veröffentlichen, „verbale Kraftmeiereien“. Im übrigen, so Verleger Neven DuMont, habe niemand Unterstützung bei der Ver- öffentlichung des Buches von Rushdie angeboten. Das hat der Verlag der tageszeitung gestern getan. Tagesthema auf Seite 3

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