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Drobs abgestürzt

■ Senat gegen Umzug ins Tivoli-Hochhaus

Eine schwere Niederlage für die Sozialsenatorin: Irmgard Gaertner ist gestern mit einem neuen Vorschlag zum Umzug der Drogenberatungsstelle Drobs im Senat mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Die Sozialsenatorin war mit dem Vorschlag vorgeprescht, die Drobs solle von der Bauernstraße in den ersten Stock des Tivoli-Hochhauses am Bahnhofsvorplatz umziehen. Die Eigentümer des Gebäudes seien bereit, der neuen Nutzung der Etage zuzustimmen. Der Rest des Hauses wird ohnehin von der Sozialverwaltung genutzt. Dazu sagte der Senat ein derart klares Nein, daß sich Irmgard Gaertner gar nicht mehr an einer Abstimmung beteiligen wollte. Ihr Fazit nach der Senatssitzung: „Ich bin enttäuscht und verbittert und fühle mich von meinen Kollegen im Stich gelassen.“

Nach der schier endlosen Debatte um den Umzug der Drobs hatte das Sozialressort geglaubt, den Knoten durchschlagen zu können. Die Drobs bei der Sozialsenatorin tangiert keine anderen Ressorts, also gibt es keinen Grund zur Ablehnung. Falsch kalkuliert. Kurz bevor sie ihre Männchen ins Häuschen bringen konnte, wurde Irmgard Gaertner gestern beim Drobs-Mensch-ärgere-Dich-nicht vom Brett geworfen. Aus dem Bauressort kam der Einwand, die Drogenberatung passe überhaupt nicht zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und außerdem sei die Stadt gerade dabei, das Tivoli-Hochhaus an einen privaten Investor zu verkaufen, weil kein Geld für die Renovierung der maroden Fassade da sei. Der Verkaufserlös würde so bei den neuen Mietern garantiert nicht steigen. Und Wirtschaftssenator Claus Jäger schlug vor, den Umzug zu sparen und die Drobs ersatzlos zu schließen.

Der Senat beschloß, die Sozialsenatorin soll eine Reihe anderer Objekte prüfen - obwohl schon mehr als dreißig öffentliche Objekte begutachtet worden sind – und dann noch einmal vorsprechen.

J.G.

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