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„Dritter Eelam Krieg“ in Sri Lanka

■ Nach dem Zusammenbruch des Waffenstillstands setzt Präsidentin Kumaratunga wieder auf das Militär / Politische Reformen sollen dennoch weitergeführt werden

Delhi (taz) – Tamilische Separatisten der „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ haben gestern nach Angaben des srilankischen Militärs ein Fischerdorf überfallen und 40 EinwohnerInnen getötet. Die Rebellen hätten den von Buddhisten und Muslimen bewohnten Ort Kallawara im nordöstlichen Bezirk Trincomalee beschossen und in Brand gesetzt.

Nachdem die LTTE die Waffenruhe mit der Regierung unter Sri Lankas Präsidentin Chandrika Kumaratunga am 17. April aufkündigte, hatten sich die Angriffe der „Befreiungstiger“ bislang vorwiegend gegen militärische Ziele gerichtet. Präsidentin Chandrika Kumaratunga hatte bereits am Wochenanfang in einer Fernsehansprache die bittere Konsequenz gezogen: „Falls wir einen Friedensschluß nicht durch Verhandlungen erreichen können, werden wir es eben durch andere Mittel tun“. Ihr Finanzminister G.L.Peiris machte kurz darauf klar, von welchen Mitteln die Rede war: die vorgesehene Einsparung von drei Milliarden Rupien im Verteidigungsbudget wurde zurückgenommen.

Jetzt wird die Armee verstärkt aufgerüstet

Inzwischen hat sich der Krieg vom Norden in den Osten verlagert. Dort bestehen weder militärisch noch ethnisch klare Fronten, und das Hinterland der Küstenstädte mit seinem Grasland und den weiten Reisfeldern bildet ein ideales Operationsgebiet für Guerillas. Die Ziele der Guerillas sind in erster Linie die „Special Task Force“ und Mitglieder rivalisierender Tamil-Gruppen. Aber der gestrige Angriff und ein Ueberfall auf einen Personenbus am Mittwoch, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen, zeigt, daß sie auch von Angriffen auf zivile Ziele nicht zurückschrecken.

Daß Colombo jetzt wieder verstärkt auf eine militärische Lösung setzt, zeigt die Entsendung verschiedener Delegationen von Waffenkäufern ins Ausland. Im Süden des Landes gibt es eine neue Rekrutierungskampagne der Armee, bei der sich einige Zehntausend Rekruten freiwillig gemeldet haben sollen, was die Erwartungen des Militärs weit übertraf. Dennoch glauben Beobachter nicht, daß eine rein militärische Strategie die LTTE an den Verhandlungstisch oder gar in eine Niederlage führen kann. Die Regierung sucht daher Rückhalt im Ausland. Aussenminister Kadirgamar, ein Tamile, hat eine rege Besuchsdiplomatie in der Region entwickelt. Er soll dabei nicht nur Angebote von Waffenhilfe erhalten haben, sondern auch das Versprechen diplomatischer Unterstützung.

Auch zu Hause will die srilankische Regierung den politischen Prozeß nicht dem Krieg opfern. Dies gilt vor allem für die Erneuerung des politischen Systems, das eng mit der ethnischen Frage verknüpft ist. Justizminister Peiris hat klargemacht, daß die Regierung wie geplant bis zum 15. Juli eine neue Verfassung vorstellen will. Diese soll nicht nur die Machtfülle der Präsidentin zurückstutzen und das Zwei-Kammer-Parlament wiedereinführen; sie soll auch die Grundlagen für eine föderalistische Neuordnung des Landes bereitstellen. Peiris beharrt vorläufig noch darauf, die Nord- und Ostprovinz zu vereinen, mit Grenzkorrekturen zum Schutz der muslimischen und singhalesischen Minderheiten. Ein gewählter Regionalrat soll zudem weitgehende Autonomie genießen. Sie würde Erziehung, Transport, Industrie, Justiz und Entwicklung umfassen, und selbst die Polizei würde lokal rekrutiert.

Obwohl Colombo damit eine alte Forderung nach einem tamilischen „Homeland“ erfüllen würde, dürfte die LTTE wohl kaum darauf eingehen, umsomehr als sie die Macht in einem demokratischen System mit anderen Tamilen-Parteien teilen müßte.

Aber auch die singhalesische Mehrheit dürfte im neuentflammten Feuer kriegerischer Konfrontation diesen Brocken nur mit Widerwillen schlucken. Bereits haben buddhistische „Frontorganisationen“ ihre Opposition angekündigt, mit dem Argument, dies sei der erste Schritt auf dem Weg zu einem unabhängigen Eelam. Auch ihnen kann allerdings nicht verborgen bleiben, daß die LTTE inzwischen bereits mehrere Schritte auf dem Weg dahin gemacht hat. Bernard Imhasly

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