Doku über pakistanische Transsexuelle: Tanzen und klatschen

"Chan di chummi" von Khalid Gill widmet sich in der Reihe Panorama Dokumente den Transsexuellen Pakistans. Ohne voyeuristisch zu sein, kommt er seinen Heldinnen sehr nahe.

Die Khusras tanzen und betteln laut klatschend auf Hochzeiten und zur Geburt eines männlichen Kindes, aber man gibt ihnen eher aus Angst und Aberglauben Geld denn aus Anerkennung. Bild: berlinale

Am Anfang erzählt der Regisseur, Khalid Gill, von seiner Kindheit in Lahore, der zweitgrößten Stadt Pakistans. Oft sah er den Khusras beim Tanzen zu, den Transsexuellen Pakistans. Seitdem wollte er dem märchenhaften Schillern, das sie für ihn umgab, auf die Spur kommen.

Mit seinem Dokumentarfilm "Chan di chummi" enträtselt Khalid Gill eine eingeschworene Gemeinschaft, die ähnlich wie die Hijras in Indien eine feste Funktion in den Traditionen Pakistans hat, die aber trotzdem geächtet und ausgestoßen ist. Die Khusras tanzen und betteln laut klatschend auf Hochzeiten und zur Geburt eines männlichen Kindes, aber man gibt ihnen eher aus Angst und Aberglauben Geld denn aus Anerkennung. Dieser kleine, poetische Film erklärt den Zauber seiner Protagonistinnen gerade so weit, dass er nicht mehr voyeuristisch wirkt, und kommt ihnen und ihrem Leben in den dunklen, verwinkelten Gassen der alten Stadt dabei so nahe, dass man sie noch lang mit sich herumträgt, diese stolzen und melancholischen Heldinnen.

Zum Beispiel Sonja: Sie lebt in einer Khusra-Familie in einem heruntergekommen Haus. Immer wieder sieht man sie mit ihren Freundinnen am kühlen Morgen um eine Gasflamme kauern, sie reiben sich die Hände überm Feuer, halten sich an den heißen Kaffeetassen fest, der Nagellack blättert, sie sind noch ungeschminkt. Sonja wird gefragt, ob in ihrem Pass ihr alter Name stehe oder schon ihr neuer. Sie lacht und sagt: "Ich habe keinen." Und wenn sie sich einmal ausweisen muss? "Dann klatsche ich in die Hände und jeder weiß Bescheid", sagt sie und lächelt wieder müde. Sonja ist die traurigste der Khusras in "Chan di chummi", sie ist kürzlich von ihrer großen Liebe verlassen worden. Einmal sagt sie sogar, wie gern sie eine Familie hätte, und das wird wohl niemals möglich sein.

Optimistischer und kämpferischer ist da schon Aini, die dem Film eine Art Hoffnungsstreif verleiht. Sie gibt sich nicht zufrieden mit dem winzigen Winkel, den ihr die Gesellschaft zugewiesen hat, sie will nicht tanzen. Mithilfe ihres Freundes, dessen kleine Tochter "Mama" zu ihr sagt, betreibt sie auf dem Markt einen Zigarettenstand. Eine der schönsten Szenen in "Chan di Chummi" ist eine lange Kamerafahrt, die Aini auf dem Weg zur Arbeit nachgeht. Die verächtlichen Zurufe der männlichen Passanten perlen völlig an ihr ab, majestätisch schreitet die große, schöne Frau immer weiter und weiter - ganz so, als könne nichts und niemand in der Welt sie aufhalten.

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