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Diesseits von Südafrika

■ Heute beginnt ein überaus aufschlußreiches „Südafrika Filmfestival“ in der Schauburg

Südafrika ist als Filmland in Deutschland bisher praktisch nicht existent. Im großen Filmlexikon von Gregor Patalas gehört ihm nur ein winziger Absatz. In England, Frankreich, Holland gab es schon die eine oder andere Präsentation südafrikanischer Filme, noch nie aber in Deutschland.

Jetzt hat das Kommunale Kino Bremen in zweijähriger Vorbereitungsarbeit ein „Südafrika Filmfestival“ zusammengestellt, mit einem vielfältigen und spannenden Programm, das zeigen soll: Der neue Film Südafrikas beginnt zu leben. Von Bremen aus wird die Reihe in andere bundesdeutsche Großstädte gehen.

„Transitions“ — „Übergänge“ ist der Titel des Festivals. Die meisten vorgestellten Filme und Videos stammen aus den letzten fünf Jahren und thematisieren den Übergang Südafrikas hin zu einem Post-Apartheid-Staat.

Knallhart dokumentarische, aktuelle Filme, Komödien, ernste Filmerzählungen und drei Produktionen aus den Fünfziger Jahren der Apartheid spiegeln das politische und alltägliche Leben unter der zerissenen südafrikanischen Bevölkerung wider.

Keiner der 23 Filme des Festivals ist unter der Regie eines Schwarzen entstanden. Ähnlich unterrepräsentiert sind insgesamt die Frauen. Zwar sind viele FilmemacherInnen inzwischen aus dem Exil nach Südafrika zurückgekehrt, aber die Produktionsbedingungen sind immer noch katastrophal und lebensgefährlich.

Es gibt so gut wie keine staatliche Filmförderung, dafür aber eine monopolistisch-kommerzielle Filmindustrie. Filmmaterial muß ins Ausland geschmuggelt werden, um der Beschlagnahme zu entgehen, Produktionsgelder kommen aus dem Ausland, und oft muß außerhalb Südafrikas gedreht werden.

Eröffnet wird das Festival heute um 21 Uhr im Kleinen Haus der Schauburg mit dem Spielfilm „Wheels and Deals“ von Regisseur Michael Hammon (s. Rezension), der selber anwesend sein wird. Ein weiterer Glanzpunkt ist der Dokumentarfilm „Have You Seen DRUMS Recently?“ von Jürgen Schadeberg. Ein lebendiger und ungeheuer musikalischer Blick auf die 50er Jahre in Südafrika, unterstützt von Collagen aus dem Fotomaterial der fortschrittlichen schwarzen Fotozeitung „Drums“.

Eine Reihe von Videos des Kollektivs „Video News Service“, in dem schwarze und weiße Südafrikaner politisch engagiert zusammenarbeiten, bewegt sich hautnah an politischen Brennpunkten und dokumentiert u.a. die Konflikte innerhalb der schwarzen Bevölkerung.

Auch Oliver Schmitz' bekannter und unter extremen Bedingungen gedrehter Film „Mapantsula“ über den kleinen Gangster Panic, der zum politischen Kämpfer wird, ist zu sehen. Ebenso die Filmfabel „The Magic Garden“, eine tragisch-komische Geschichte aus den 50ern vom Segen gestohlenen Geldes. Cornelia Kurth

Am 3. und 4. 10 findet ein Seminar statt, bei dem die Hintergründe der südafrikanischen Filmarbeit untersucht und diskutiert werden. Anmeldungen beim Kommunalen Kino (702770) oder im Filmbüro (327085). Dort auch ein ausführliches Programm.

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