■ Diepgen jongliert mit Bersarin: Bälle heruntergefallen
Die Absicht des Regierenden Bürgermeisters ist klar. Wenn eine längst aufgelöste „Unabhängige Kommission“ noch einmal die Leistungen Nikolai Bersarins untersuchen und dann eine neue Empfehlung für die Straßenumbenennung geben soll, dann deshalb: Damit erstens gar nichts passiert und zweitens alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können.
Es ist eine Jongliernummer, die die SPD, Verkehrssenator Haase, innerparteiliche Diepgen-Gegner und rechtskonservative CDU-Mitglieder gleichermaßen ein halbes Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl beruhigen sollen. Doch Diepgen sind die bunten Bälle aus der Hand gefallen. Sieben „angesehene Bürger Berlins“ (Haase), die damaligen Mitglieder der „Unabhängigen Kommission“, würden nämlich ihr Gesicht verlieren. Warum sollten sie eine Entscheidung überprüfen, die erstens die alte bleiben und zweitens unverbindlich bleiben würde?
Es gibt eine Vereinbarung zwischen CDU und SPD: In dieser Legislaturperiode soll keine Straße mehr umbenannt werden. Der Regierende hätte es also denkbar einfach gehabt, nicht auf morgen zu verschieben, was er heute hätte besorgen können. Ein Nein zum Baltenplatz gegenüber Verkehrssenator Haase hätte genügt. Doch Diepgen bleibt Diepgen: blaß und ängstlich. Obwohl er am Samstag von der Neuköllner CDU auf Listenplatz eins gesetzt wurde und damit unabhängig von fast jedem Wahlergebnis schon heute Mitglied im kommenden Abgeordnetenhaus ist, nutzt er seine Macht nicht. Wenn Diepgen schon mit mittelalterlichen Jahrmarktsnummern unterhalten will, sollte er die Bälle wenigstens auffangen können, die er selbst in die Luft geschleudert hat. Dirk Wildt
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