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Die vielen Wege der Immuntherapie

Unter Immuntherapie fallen alle Medikamente mit dem Ansatz, das Immunsystem im Kampf gegen Krebs zu nutzen. Doch sowohl ihre Wirkmechanismen als auch der Stand der Forschung sind extrem unterschiedlich. Eine Übersicht.

Die Bremsenlöser

Als die fungieren die Immuncheckpoint-Inhibitoren. Sie lösen die Bremsen des Immunsystems, indem sie dessen Prüfstellen beeinflussen. An ihnen wird entschieden, ob die Immunantwort aktiviert oder gebremst wird. Krebszellen schalten die Antwort aus. Den Vorgang verhindern die Inhibitoren, durch sie kann das abgeschaltete Immunsystem seine Abwehr wieder auf die Krebszellen richten.

Ihr Einsatzgebiet: Immuncheckpoint-Inhibitoren werden bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen, darunter Hautkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Lungenkrebs und Brustkrebs eingesetzt; sowohl in Form einer einzelnen Therapie als auch in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapien und nach oder vor einer Operation.

Nutzen und Schwierigkeiten: Die Therapie ist mittlerweile ein Standard in der Krebstherapie und beinhaltet die am längsten verfügbaren Wirkstoffe: Der erste Checkpoint-Inhibitor Ipilimumab wurde 2011 zugelassen. Immer häufiger werden die Bremser auch mit anderen Immuntherapien kombiniert. Zugleich sind die Checkpoint-Inhibitoren oft reich an Nebenwirkungen und die Langzeitfolgen noch nicht gut erforscht. Außerdem sprechen nicht alle PatientInnen auf die Behandlung an und die Krebszellen können Resistenzen auf die Therapie entwickeln.

Die Scharfmacher

So könnte man auch die CAR-T-Zell-Therapie nennen. T-Zellen sind eine Gruppe der Immunzellen, die vor allem als Angreifer agieren. In dieser Immuntherapie werden sie aus dem Körper sortiert und mit einem auf den Tumor abgestimmten Rezeptor versehen. Zurück im Körper sollen sie so die Tumoren finden und auf sie losgehen.

Ihr Einsatzgebiet: Genutzt wird die Therapie vor allem bei Blut- und Knochenmarkkrebs. Meist kommt sie zum Einsatz, wenn andere Behandlungen nicht wirken, es gibt auch Anwendungen im Bereich von Autoimmunerkrankungen.

Nutzen und Schwierigkeiten: Bisher ist die CAR-T-Zell-Therapie noch nicht in vielen Bereichen der Krebstherapie angekommen. Bei der Behandlung von Blutkrebs zeigt sie aber drastische Erfolge. Eine Therapie ist aufwendig, es braucht hochspezialisierte Zentren und jeweils einige Wochen Zeit für die Entwicklung der individuellen CAR-T-Zellen. Mit Kosten bis zu einer halben Million Euro pro PatientIn und Behandlung sind zu rechnen.

Die Gedächtnisbilder

Damit das Immunsystem den Krebs bekämpfen kann, muss es ihn erkennen. Wie kann man ihm also Informationen geben? Ein Weg ist die Impfung. Durch die sogenannte mRNA-Impfung können genetische Informationen in den Körper geschleust werden, etwa über einen Virus oder eben auch über Krebszellen. Um eine solche Behandlung durchzuführen, müssen Impfstoffe individuell auf den oder die PatientIn und die Krebsform im Körper maßgeschneidert werden. Die Impfung soll dafür sorgen, dass das Immunsystem etwas erkennt, was es vorher übersehen hat – den Krebs; und vor allem: nicht wieder vergisst. Indem das Immunsystem ein Gedächtnis bildet, soll es Rückfälle selbst verhindern.

Ihr Einsatzgebiet: Bisher werden mehrere mRNA-Impfungen noch in Studien erprobt, es gibt noch keine Zulassung für eine Behandlung.

Nutzen und Schwierigkeiten: Zunächst müssen sich die Wirkstoffe beweisen. Der mRNA-Impfstoff Intismeran gegen Hautkrebs hat in einer Studie das Risiko gesenkt, dass der Krebs zurückkehrt, wenn der vorher operativ entfernt wurde. Bei aussagekräftigen Ergebnissen in der nächsten Studienphase könnte es für diesen Krebs in den nächsten ein bis zwei Jahren die erste Zulassung geben.

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