Die versteckten Kosten der Gentech-Pflanzen: Ökonomischer Unsinn
Die Studie "Schadensbericht Gentechnik" zeigt auf, wie gentechnisch verändertes Saatgut versteckte Kosten für die Industrie verursacht.
BERLIN taz Gentechnisch veränderte Pflanzen verursachen weitaus höhere Kosten, als sie Gewinn liefern. Das ist das Ergebnis der Studie "Schadensbericht Gentechnik", die der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gestern in Berlin vorgestellt hat.
Die Studie untersucht Kosten und Nutzen der Gentechnik für Landwirte, aber auch für Lebensmittelhersteller wie Molkereien, Bäckereien oder Produzenten von Babynahrung. Für Bauern lohnt der Anbau von gentechnisch verändertem Mais oder von Soja nur in Perioden besonders starken Schädlingsbefalls, sagt der Autor der Studie, Christoph Then. Die Landwirte hätten dann geringere Ernteausfälle und müssten weniger Gift sprühen, weil die Pflanzen dieses selbst herstellten. Die geringeren Kosten für den Pflanzenschutz würden aber durch die deutlich höheren Preise für das Saatgut aufgewogen, so Then. So müssen Landwirte in den USA nach der Studie für Soja-, Mais- und Baumwollsaatgut deutlich mehr bezahlen als noch vor 20 Jahren.
Für die Lebensmittelwirtschaft seien die "versteckten Kosten der Gentechnik immens", sagt Stefan Rother vom Tiefkühlkost-Hersteller Frosta. Das Bremerhavener Unternehmen bietet sowohl konventionell als auch biologisch erzeugte Lebensmittel an - und muss laut Rother eine Menge Geld dafür ausgeben, seinen Kunden nachzuweisen, dass in ihnen keine gentechnisch veränderten Pflanzen stecken. Laut der BÖLW-Studie gab eine konventionell arbeitende Getreidemühle jährlich 50.000 Euro dafür aus, sicherzustellen, keine mit solchen Organismen verunreinigten Produkte abzuliefern. Eine Biobrauerei musste dafür 10.000 Euro investieren und hat laufende Kosten von etwa 2.500 Euro jährlich.
Daher fordert der BÖLW, die Haftungsregeln zu verändern und ein striktes Verursacherprinzip einzuführen. "Die Kosten der Gentechnik sind höher als ihr Nutzen, trotzdem machen die Saatguthersteller Gewinn", sagte BÖLW-Chef Felix Prinz zu Löwenstein, "also zahlt jemand." Das seien konventionell arbeitende Bauern, die Ökobetriebe und die Verbraucher. Lösung könnte etwa ein Fonds sein, in den Anwender und Hersteller von transgenem Saatgut einzahlen müssten. Oder die Anwender müssten ein Monitoring ihrer und benachbarter Felder bezahlen. Der Vorschlag von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU), die Anbaugenehmigungen für Genpflanzen auf die Regionen zu verlagern, sei nur eine Hilfsmaßnahme. "Gentechnik-freie Regionen sind ein Ansatz", so Löwenstein, "mit dem Verursacherprinzip gehen wir an die Wurzel des Übels." Zunächst sei Aigner aber aufgefordert, den Anbau des Genmaises MON 810 zu verbieten und in Brüssel gegen die Zulassung von zwei neuen Maissorten zu stimmen.
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