: Die verdoppelte Gedenkfeier
■ Außenminister Bartoszewski nimmt Einladung zu Feier des Kriegsendes am 28. April im Bundestag an
Bonn (taz) – Mit einer Verdoppelung der offiziellen Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des Kriegsendes hat der Bundestag die Verstimmung im deutsch-polnischen Verhältnis aufgefangen. Der polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski nahm gestern in Bonn die Einladung an, auf der von Bundestag und Bundesrat ausgerichteten Veranstaltung die Hauptrede zu halten. Zu der Gedenkfeier, die voraussichtlich am 28. April stattfindet, sind, anders als zu zentralen Gedenkfeiern der Bundesregierung, in Berlin am 8. Mai, auch Vertreter kleinerer Staaten geladen, die gegen das nationalsozialistische Deutschland gekämpft haben. In Polen war es als Affront verstanden worden, daß Kohl zur Feier in Berlin nicht auch den polnischen Präsidenten Lech Walesa gebeten hatte.
Walesa habe in der ersten Maiwoche keine Termine zur Verfügung und werde den 8. Mai in Polen verbringen, erklärte Bartoszewski dazu. Wegen der Nichteinladung gebe es seines Wissens keine Verstimmungen zwischen den beiden Regierungen. Der erst seit einigen Tagen amtierende Außenminister hatte als Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer das KZ überlebt und exponierte sich später in der Auseinandersetzung mit den Kommunisten. Für seine Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.
Im Bundestag haben bislang nur wenige ausländische Gäste gesprochen, darunter US-Präsident Reagan und Staatspräsident Mitterrand. Hans Monath
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