: Die taz lädt zur Demo mit queeren Tieren
Sollte eine Tageszeitung auf einen CSD gehen und berichten? Diese Frage lässt sich sofort beantworten: ja, selbstverständlich. CSDs sind wichtige zivilgesellschaftliche Demonstrationen, über die nicht zu berichten ein Fehler ist, der keinem Nachrichtenmedium unterlaufen – sollte.
Darf eine linke Tageszeitung an einem CSD aktiv teilnehmen? Mensch könnte über diese Frage natürlich streiten, aber wir haben uns ohne groß zu zögern dafür entschieden. Am 25. Juli 2026 wird die taz als Genossenschaft und als Medium am Hauptstadt-CSD in Berlin teilnehmen. Manche werden fragen, und zu Recht: Warum erst jetzt? Wirklich beantworten können wir das selbst nicht, denn eigentlich gibt es unter den deutschen Tageszeitungsmedien keines so wie die taz. Queeres bzw. nicht heterosexuelles Leben, Denken, Schreiben und Streiten ist fester Bestandteil der DNA des taz-Projekts seit 1979.
Die Vorbereitungen für unsere erste CSD-Teilnahme laufen nun seit einigen Monaten. Zeit, Sie mitzunehmen in unsere CSD-Werkstatt, oder besser: in unseren Zoo. Denn unser CSD-Fahrzeug wird natürlich nicht aussehen wie all die anderen Fahrzeuge, die auf solch einer Demonstration gern zur Schau gestellt werden, also überbordend bunt und pink jenseits aller Geschmacksgrenzen.
Nein, wir werden die Vielfalt queerer, nicht heterosexueller Leben durch sympathische Pat:innen aus der Tierwelt symbolisieren. Wir nennen sie unsere queeren Tiere. Gezeichnet von der Illustratorin (und Mitarbeiterin der taz-Genossenschaft) Julia Molin, machen sich Ende Juli Delfine, Kraken, Seepferdchen, Clownfische, Schmetterlinge, Krebse, Otter, Katzen und sogar Hühner auf unserem Fahrzeug breit, einem bewusst klein gehaltenen 7,5-Tonner mit leistungsstarker Lautsprecheranlage. Also ein klassischer „Lauti“, wie demoerprobte Aktivist:innen sagen würden.
Julia Molin zeichnet mit schwarzem Stift auf weißem Grund, kreativ, ausdrucksstark und spielerisch. Es sind aber ausdrücklich keine Karikaturen, sondern liebevoll durchdachte Sinnbilder. Im Kontext der queeren Tiere sprechen wir nun beispielsweise, und nur für Ihr inneres Auge, über einen Bären in Lederweste und Ledermütze, der liebevoll seinen ebenfalls ledergekleideten Otter umarmt. In der schwulen Fetisch-Szene sind „Bären“ und „Otter“ populäre Bezeichnungen für bestimmte Körpertypen: Bären – große, gern stämmige und haarige Männer; Otter – ebenfalls haarig, aber schlanker und kleiner.
Dann wären da die zwei Krebse, die sich liebevoll mit ihren Scheren vergnügen, die Scissor Sisters. Oder die Clownfische, die um einen Anker in Form des Trans*-Symbols herumtollen. Falls Sie sich nun fragen, wie da die Hühner ins Bild passen, sei daran erinnert, dass Hühner Gruppentiere sind und gern mit Eiern hantieren. Den Rest überlassen wir an dieser Stelle Ihrer Vorstellungskraft.
Oder Sie besuchen die Demonstration des Berliner CSDs und damit auch den taz-Lauti. Es geht um Freiheit, Vielfalt und Respekt. Und damit auch um Medien wie die taz, die dafür sorgen, das queere Stimmen nicht nur zum CSD gehört und gesehen werden.
Manuel Schubert
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