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Die meisten Brennstäbe gingen nach Japan

Bisher keine Beschwerden in Deutschland

Berlin (taz) – Nach Deutschland wurden nach gestrigem Kenntnisstand nur vier Brennelemente mit dem Mischoxid-Brennstoff aus Sellafield geliefert, so die Auskunft des Bundesumweltministeriums. Sie gingen im Jahr 1996 an das AKW Unterweser. Laut der niedersächsischen Aufsichtsbehörde gab es dabei keinerlei technische Beanstandungen. Die restlichen Brennstäbe mit dem Mischbrennstoff aus Uran- und Plutoniumoxid liefert die französische Anlage bei Cadarache nach Deutschland. Die Brennelementefabrik von Siemens in Hanau ist schon lange geschlossen.

Proteste aus Deutschland müssen die Briten also erst einmal nicht befürchten. Ganz anders sieht es mit ihren Geschäftskunden in Japan aus. Japanische Atomanlagen sind der wichtigste ausländische Kunde des Atomkomplexes in Sellafield. Auch die Schweizer Atombehörde hat im Dezember das britische MOX beanstandet.

Vor allem die Japaner zeigen seit ihrem Atomunfall in Tokaimura keinerlei Verständnis mehr für Schlampereien in der Branche. Sie ließen eine britische Regierungsdelegation Anfang Februar abblitzen. Obwohl die Emissäre für den Sellafield-Betreiber British Nuclear Fuels Limited (BNFL) ihr „tiefes Bedauern“ ausdrückten und um eine zweite Chance baten, hieß es aus Tokio: „Wir haben gefordert, dass Großbritannien den Brennstoff zurücknimmt.“

Ein Rücktransport wäre nicht nur ein grandioses Medienspektakel samt bleibendem Imageschaden für die BNFL (Unternehmensmotto: „Wo Wissenschaft niemals schläft“). Er wäre auch sehr teuer und gefährlich. In den MOX-Brennelementen sind einige Kilogramm Plutonium enthalten – ein giftiges Metall, das nebenbei auch noch der bevorzugte Grundstoff für Atombomben ist. Ein entsprechender Konvoi an Wachschiffen wäre nötig.

Sellafield ist auf weitere japanische Aufträge angewiesen, um eine neu errichtete MOX-Fabrik zu eröffnen. Sie hat knapp eine Milliarde Mark gekostet, konnte aber noch kaum Verträge über die Lieferung von Brennstäben abschließen. Denn das MOX aus Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) ist viel teurer als Brennstäbe aus frisch gewonnenem Uran. WAAs können überhaupt nur mit staatlicher Unterstützung betrieben werden angesichts der hohen Kosten und der radioaktiven Verseuchung ganzer Meere und Landstriche, die sie verursachen. Auch der Sellafield-Betreiber BNFL gehört dem Staat. Weil die Regierung die Skandale nicht in den Griff bekommt, will sie einen privaten Großaktionär mit ins Boot holen, hat aber noch keinen gefunden.

Greenpeace-Mitarbeiter Pete Roche forderte angesichts des jüngsten Skandals, die Wiederaufarbeitung von Atommüll aus AKW endlich zu beenden. „Das Plutoniumgeschäft ist verrottet bis zum Kern“, meinte er. Die Anlage solle sich, statt immer neuen Müll zu produzieren, lieber auf den Abriss von Atomanlagen weltweit konzentrieren. Reiner MetzgerSellafield-Details:www.bnfl.com,www.greenpeace.org

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