Die linke Stimme von BaWü : 15 Jahre „Kontext“, 15 Jahre Courage
Kontext, unsere unabhängige, hartnäckige, couragierte und sehr schwäbische Schwesterzeitung wird 15. Zeit für eine Huldigung und Glückwünsche. Selbst wenn das Berliner:innen sonst bei Schwäb:innen schwerfällt.
Aus der taz | Es gibt wenige Landvölker, über die in Berlin mehr gelästert wird als über die Schwaben. Sie gelten als spießig und fleißig, was hier nicht so gut ankommt. Ein früherer Bundestagspräsident meinte sich schon mal über die Frage mokieren zu müssen, ob die Schrippe in Berlin auch Weckle genannt werden darf.
Selbst ein schwäbischer Ministerpräsident wird in der Hauptstadt mehr pflichtgemäß ertragen denn fröhlich anerkannt, und mag er noch so grün sein. Und, soviel Ehrlichkeit muss sein, so blickte in den Anfängen auch die taz hin und wieder auf ihre KONTEXT: Wochenzeitung, die samstags der wochentaz beiliegt und auch auf taz.de gespiegelt wird. Sie ist die, wenn es um politische Verfehlungen geht, strenge kleine Schwester mit der subtilen Präsenz, die Schwaben nun einmal häufig mitbringen, egal ob in Stuttgart oder in Berlin.
Allerdings straft die Geschichte solch unverdiente Berliner Arroganz in der Regel auch unmissverständlich. Nach Winfried Kretschmann regiert jetzt Cem Özdemir das Bundesland, in dem konservative Bauern und kapitalistische Autointeressen schon seit mehr als 100 Jahren den politischen Ton angeben.
Bedeutende Stütze
Und Kontext, unsere unabhängige, kritische, hartnäckige, unsere couragierte Schwesterzeitung aus Stuttgart, die es mit den Feinden der Demokratie ebenso aufnimmt wie mit den sozialen Ungerechtigkeiten des Systems, feiert am Samstag, 27.06.2026, auf der Kulturinsel in Bad Cannstatt ihr nun schon 15-jähriges Bestehen!
Aus den Protesten gegen den Bau des neuen Stuttgarter Bahnhofs hervorgegangen, ist Kontext inzwischen eine gesellschaftliche Institution und eine bedeutende Stütze des unabhängigen Journalismus in Baden-Württemberg und darüber hinaus.
Was sich da aus dem berühmt gewordenen Slogan „Oben bleiben“ des Protests gegen das noch immer unvollendete Bahnhofsprojekt entwickelt hat, ist allerdings noch viel mehr als hochsympathischer, grundlinker Journalismus.
Widerstandsnest
In den Redaktionsräumen mitten im Stuttgarter Kessel ist zugleich ein Netzwerk von Groß- und Kleinspenderinnen, Mitgliedern, Abonnentinnen und natürlich Autorinnen entstanden, ein politisches Soziotop, ein kleines, vor Ort verankertes Widerstandsnest. Genau das also, was es heute mit Blick auf die politische Entwicklung so dringend braucht.
Wir gratulieren dem Gründungsteam um Susanne Stiefel und Josef-Otto Freudenreich und wir gratulieren der gesamten Redaktion um Anna Hunger. Oben bleiben!
🐾 Barbara Junge ist Co-Chefredakteurin der taz.
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