Die Wochenvorschau für Berlin: Entspannt lesen im Park
Das Sommerloch klafft, es bleiben oft nur Festivals. Aber übermäßiger Hautkontakt und Bierkonsum ist halt nicht jedermanns Sache.
So, jetzt ist sie also wieder da, die entspannteste Zeit des Jahres. Ein großer Teil der Menschen mit Schulkindern ist ausgeflogen, man steht nicht mehr an beim täglichen Eiskauf, man findet Sitzplätze im Bus und Parkplätze, wenn es wirklich mal nicht anders geht. Nur wir Journalisten haben es ab sofort schwerer als andere, denn die aktuelle Nachrichtenlage tendiert pünktlich zum Start der Sommerferien wie üblich gegen null. Was soll man machen, wenn es so gut wie keine Termine gibt, wenn alle gerade pausieren?
Eins gibt es, was man machen kann, wenn man’s mag, und das sind die sogenannten Veranstaltungen unter freiem Himmel. So werden viele Berliner ab Mittwoch zum Schwitzen und Hüpfen zum Fusion Festival aufbrechen, einige werden sich ab Freitag beim Bergmannstraßenfest gegenseitig auf den Füßen stehen, und andere werden sich eher vom Sofa oder der Hängematte auf dem Balkon aus daran erinnern, dass am 1. Juli vor 30 Jahren zum ersten Mal die Loveparade stattfand: Damals noch am Kurfürstendamm, mit gerade mal 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Was danach kam, ist Geschichte: Bis zu 1,5 Millionen BesucherInnen Ende der neunziger Jahre, rückläufige Besucherzahlen ab 2000, Umzug ins Ruhrgebiet 2007, 2010 das Unglück in Duisburg, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen, Ende der Loveparade. Seit 2015 gibt es wieder eine größere Technoparade in Berlin, die unter dem Namen „Zug der Liebe“ auch in diesem Jahr stattfinden wird, allerdings erst Ende August.
Wie jetzt, Sie haben keine Lust, über Straßenfeste nachzudenken, geschweige denn sie selbst leibhaftig zu begehen? Sie wollen aber trotzdem an die heiße Luft?
Da gibt es vielleicht neben dem Üblichen wie Park, See oder Biergarten noch eine charmante Möglichkeit, denn am Wochenende findet erstmals ein Festival statt, bei dem es vermutlich weder um Dezibel, Hautkontakt noch um erhöhten Bierkonsum gehen wird. „Literatur auf der Parkbank“ heißt die Veranstaltung, zu der 50 AutorInnen eingeladen sind, am Sonntag von 14 bis 18 Uhr im Tiergarten auf Parkbänken rund um den Neuen See und den Schleusenkrug zu lesen. Man wird also kostenlos lustwandeln, sich danebensetzen, ein wenig zuhören, in Gedanken abschweifen und wieder weitergehen dürfen. Es machen unbekannte AutorInnen mit, aber auch bekanntere wie HP Daniels, Claudius Hagemeister, Wolf Hogekamp, Patricia Holland Moritz.
Auf lässigere Art wird man sich Literatur in diesem Sommer wohl kaum aneignen können.
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