Die Wahrheit: Beim Treffen der Obleute

Ob diese Kolumne nicht zu weit geht? Soviele Obs in einem Text... obwohl, ob der Häufigkeit der Silbe in einem einzigen Artikel – lesen Sie selbst!

Obmänner und Obfrauen trifft man im Bundestag, bei den Kleingärtnern, im Sportverein – sie sind allgegenwärtig. Aber wo kommen sie her? Eine Frage, die mich bis in meine kühnsten Träume hinein beschäftigt.

„Ob wir wohl Ihre Eintrittskarte sehen dürften“, werde ich kürzlich von einem etwas tatterig wirkenden Herren begrüßt. „Ich bin von der Presse und wohl auf der Gästeliste“, entgegne ich. „Ob das wohl stimmt“, murmelt der Herr, „obwohl ja. Oben. Oben stehen Sie“, stellt er fest. Und schon sind wir drin.

Wir setzen uns zu redselig scheinenden Obleuten und machen Small Talk: „Wo kommen Sie denn alle so her?“ – „Aus „Oberursel! Oberhausen! Obernburg! Oberhof! Oberammergau!“, schallt es fröhlich. Dann stellt sich eine Dame aus Rheda-Wiedenbrück vor. Ein wenig frustriert verabschieden wir uns und recherchieren weiter.

Auf unserem Weg durch die Konferenz werden wir vom Ober mit einem lauten „Obacht!“ zur Seite gedrängt. Er serviert Obatzter an einen Tisch mit bayerischen Obleuten, die vor dem Abbild eines spitz aufragenden Steinpfeilers zechen. „Was für ein obskurer Obelisk“, tönt es neben uns. Der Obmann vermutet beim Künstler eine „geradezu obszöne Haltung zu Phallussymbolen. Fast wie bei meiner Frau“, lacht er. Sie arbeite in der Urologie. „Als Oberärztin“, erzählt er ungefragt. Er selbst sei auch Arzt, Gerichtsmediziner. „Ich sage aber lieber Obduzierer.“ Und da lernen wir seine Frau schon kennen, denn die Oberurologin ist ebenso Obfrau. Sie erscheint etwas verspätet zur Obleutekonferenz. „Oberleitungsschaden bei der S-Bahn“, entschuldigt sie sich.

Das Paar begibt sich ins Obergeschoss an einen Tisch mit anderen Obleuten. Wir folgen den beiden, um mehr über die beruflichen Hintergründe der Obleute zu erfahren. Ob dessen lernen wir einen Oberst, einen Oberbürgermeister und eine Oblatenfabrikantin kennen.

Obleute stammen offenbar aus der Oberschicht, werfen wir rhetorisch fragend in die Runde. „Das ist wahrlich zu oberflächlich“, kontert ein Mann im Obelix-T-Shirt. „Obrigkeiten sind uns vollkommen egal“, ergänzt eine Mutter Oberin. Das Auswahlkriterium sei Leidenschaft. „Oder Besessenheit!“, wirft ein anderer Obmann ein. „Man sagt heute: Obsession“, verbessert die Mutter Oberin, die uns zum Beweis für diese objektive Haltung auf eine Dame im Raum aufmerksam macht: Ludmilla stammt aus Berdsk in Russland und ist Gärtnerin. „Obstgärtnerin?“, fragen wir nach. „Auf Ludmillas landwirtschaftlichem Objekt wird ausschließlich Gemüse angebaut“, bescheidet uns die Obfrau streng.

Der Ober kommt auf uns zu. „Soll es noch was sein, obendrein?“ Wir ordern Obstler. Während wir den Obolus entrichten, stimmt die Band ein Lied von den Beatles an: „Obladi-Oblada“. Und just da wir den Schnaps trinken, fällt es uns auf: Alle Menschen hier haben unglaublich ausgeprägte O-Beine. Oh mein Gott! Dann wache ich auf.

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