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Die WahrheitSchrumpfkopfalarm

Kolumne
von Jenni Zylka

In den Untiefen der Handtasche geht einiges verloren. Aber das ist kein Frauenproblem, siehe die Hosentaschen von Wickie, dem Wikinger-Jungen.

B eim Herumkramen in meiner bodenlosen Mary-Poppins-Tasche flatterte mir heute ein alter „Rail & Fresh“-Gutschein entgegen. Diese 50-Cent-Wertpapierchen bekommt man, wenn man für einen Euro (das sind zwei Mark!!!) die trotz penetrantem Desinfektionsgeruch stets verschmutzte Bahnhofstoilette benutzen muss.

Natürlich löst die Gutscheine nie irgendwer ein, wie auf in den Toilettenräumen hängenden Werbeplakaten behauptet wird. Darauf übergibt eine erleichtert lächelnde junge Frau ihren Gutschein einer Bäckereifachverkäuferin und sagt dazu in etwa: „Na, da hab ich mir jetzt aber ein schönes Frühstück zusammengekackt!“.

Nein, diese Gutscheine sind dazu da, für immer und ewig in Damenhandtaschen zu verharren und sich dabei langsam in eine weiche, papierne Isolierschicht zu verwandeln, die dafür sorgt, dass tief in meiner Tasche niemand friert.

Unnützer Hausfrauentrick

Zum Beispiel auch der Schrumpfkopf nicht, den ich neulich mal überraschenderweise beim Hineingreifen erfühlte und der sich dann doch als vergessene Avocado entpuppte – immerhin war sie so endlich weich geworden, der angebliche Hausfrauentrick mit dem Zeitungspapier, in das man sie wickeln soll, hat ja noch nie geklappt. Und da Print tot ist, hat sich das eh bald erledigt.

Genderzuweisungen wie „typisch Frau“ sind übrigens im Taschenfall obsolet – jedeR (zumindest jedeR, der/die Runer Jonsson gelesen hat) weiß, dass der Vater aller Taschenausbeuter Wickie, der Wikinger ist, ein kleiner Junge, der in seinen Hosentaschen nicht weniger als ein Taschenmesser, drei verschieden starke und verschieden lange Schnüre, Kastanien und Eicheln, ein Not-Wams, eine selbst gebaute Schleuder, ein paar schöne Steine und eine tote Maus (zum Tauschen) aufbewahrt.

(Eine tote Maus meinte ich ebenfalls neulich in meiner Tasche zu erfühlen, es war dann aber nur der Blütenkopf einer nächtlich als Geschenk erhaltenen Rose, derer ich mich nicht mehr erinnerte, weil ich nie Blumen bekomme, bin einfach nicht der Typ dafür).

Drum Augen auf und Hand aufs Geld!

Meine Schwäche für Taschen hat mich sogar schon einmal mit dem Gedanken spielen lassen, mich als Ehrenmitglied bei einer Sondereinheit der Berliner Polizei, der „Ermittlungsgruppe Tasche“, zu bewerben, deren Mitglieder sich mit Taschendiebstahl beschäftigen und die schönen Aufkleber mit „Gedränge nur dem Dieb gefällt, drum Augen auf und Hand aufs Geld!“ bestimmt umsonst zum Verteilen bekommen.

Allein darum würde ich dort gern mitmachen. Jedenfalls lieber als bei der „Ermittlungsgruppe Tacho“, die GebrauchtwagenhändlerInnen hinterherjagt, welche die Kilometerzähler von Autos manipulieren und meines Wissens über keine eigenen Sticker verfügt, wie etwa „Die Nuckelpinne fährt zu schnell? Nicht kaufen, melden, auf der Stell’!“

Eine „Ermittlungsgruppe „Taco“ dagegen, die sich beispielsweise mit Genmais beschäftigen könnte, fände ich spannend. Vor allem freue ich mich auf unsere Betriebsfeiern, bei denen man mit den heißblütigsten der KollegInnen Salsa tanzen und essen kann.

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1 Kommentar

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  • Da Sie ja zu der schwer verbreiteten

    Futterbeutelgeneration gehören

    - meinethalben auch genderneutral -

    Sei für Blütenblätter et al. der

    Futterbeutelpferdetrick verraten.

     

    Ging der Kutscher sich ein Trinken

    Hing er den Zossen - vor denn Zinken

    Den Futterbeutel - Sich zu Laben.

    Da aber Hafer macht de Peer rossig

    Hörteste sie ständig Schnauben frossig

    Denn Kaff vom Korn zu scheiden.

     

    Aber dieses fiesemöp Gerücht -

    Therefore 'n Peer ne Deern ook is -

    Nein! - Das is gewiß -

    Stümmt nücht!