■ Die Vielfalt der real existierenden Transportalternativen: Acht Wochen ohne eigenes Auto
Göttingen (taz) – Zumindest in dieser Dimension ist das Vorhaben bislang einmalig: Einhundert Haushalte sollen acht Wochen lang auf die Nutzung ihres privaten Kraftfahrzeugs verzichten und in dieser Zeit umweltverträgliche Alternativen zum Auto ausprobieren. Mit einem entsprechenden Aufruf hat sich jetzt ein breites Bündnis von Öko- und Verkehrsinitiativen an die Göttinger Öffentlichkeit gewandt. Für die Teilnahme an diesem Projekt, so Pastor Norbert Liebermann vom Trägerkreis gegenüber der taz, sollen auch prominente Persönlichkeiten aus dem politischen, kulturellen und kirchlichen Leben der Universitätsstadt gewonnen werden. Drei Ziele wollen die Veranstalter – darunter der Verkehrsclub Deutschland, Greenpeace und der Deutsche Gewerkschaftsbund – mit ihrem Vorhaben erreichen. Einmal soll aufgezeigt werden, welche großen Potentiale für Energieeinsparung und Schadstoffreduzierung die vorübergehende Stillegung von hundert Autos bedeutet. Zweitens soll die Vielfalt der real existierenden Transportalternativen deutlich gemacht werden. Und schließlich, so Anke Mollenkott vom Projekt „Stadtteilauto“, erhoffe man sich durch die vom Geographischen Institut der Universität zugesagte wissenschaftliche Begleitung des Versuches wesentliche Impulse für Neuorientierung in der Göttinger Verkehrspolitik.
Der jetzt aufgestellte Zeitplan sieht vor, daß die TeilnehmerInnen bis zum Jahresende definitiv ihre Bereitschaft zum befristeten Einmotten ihres Kraftfahrzeugs erklären. Die Autos sollen dann in einer gemeinsamen Aktion am ersten Samstag nach den Osterferien 1994 „stillgelegt“ werden. Den Verzicht auf die Blechkiste soll den Betroffenen ein kulturelles Begleitprogramm versüßen, das unter anderem Filmvorführungen, Straßenfeste und eine Zukunftswerkstatt zum Thema „Neubausiedlung ohne Auto“ beinhaltet.
Um alle anfallenden Arbeiten organisatorisch bewältigen zu können, will der Trägerverein für ein halbes Jahr einen Koordinator oder eine Koordinatorin einstellen. Zur Zeit wird ein dicker Reader vorbereitet, in dem vom Stadtbus bis zum Fahrradkurier alle Verkehrsalternativen für Göttingen akribisch aufgelistet werden. Reimar Paul
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