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Die Uni ist kein sicherer Ort

■ Sexuelle Belästigung auf dem Campus – OSI diskutiert das Geschlechterverhältnis / Studentinnen unterbrechen Debatte

Sexuelle Belästigung ist auch an der Universität ein Massenphänomen. Das ist das Ergebnis einer Studie der FU-Frauenbeauftragten Christine Färber, die gestern bei einem Fachbereichstag des Otto-Suhr-Institutes in die Kritik geriet. Die Politologin Gudrun Schneider-Nehls zweifelte nicht an dem Befund. Aber sie attestierte, daß die Studie unsauber mit Zahlen umgehe. Weiter sei der Befragung auf der Grundlage von rund 300 Fragebögen „nicht mehr zu entnehmen, als daß es sexuelle Diskriminierung gibt“.

Die Rechtsextremismus-Forscherin Schneider-Nehls vermißte in der Studie, wie das diskriminierende Verhalten von Männern an der Universität zu erklären sei. Sie empfahl zu erforschen, wie Frauen auf die Belästigungen reagierten und warum sie sich nicht wehrten. Die These „Alle Männer sind Täter“ stimme nicht. Sie führe zu einer „Eigenstigmatisierung“. Gudrun Schneider-Nehls nannte dies eine Opferhaltung. Sie führe dazu, daß sich Frauen „in ihrer ganzen Person unterlegen gemacht“ fühlten. Sinnvoller sei es, sich „in diesen Situationen viel stärker zu wehren“, eine öffentliche Kampagne sei nicht jedesmal möglich.

Christine Färber erwiderte, daß sie sich nicht „um fünf Prozent streiten“ werde. Sie wolle die Befunde politisch diskutieren. Die Frauenbeauftragte forderte dafür andere Kategorien als die der Männer. Oberste Priorität müsse sein, ob eine Frau sich sexuell belästigt fühle. Christine Färber unterstrich dies mit dem Ergebnis der Studie, daß Frauen auch „minderschwere Formen als schwere Belästigung“ empfänden. Es seien die immer gleichen Verhaltensweisen zu beobachten. Christine Färber rechnete dazu „entmündigenden Umgang“ mit Frauen, „Anstarren“, „taxierende Blicke“ oder „anzügliche Bemerkungen“. Besonders kraß wirke sich das in einem Abhängigkeitsverhältnis aus, etwa von Studentin zu Professor.

Eine Diskutantin warnte davor, aus der weiblichen Wahrnehmung einer sexuellen Belästigung heraus neue Ausgrenzungen vorzunehmen. Es sei falsch, wenn Frauen sexuelle Belästigung per Kampagne „an einem falschen Beispiel demonstrieren“, sagte die Politologin Sabine Berghahn. Sie bezog das auf einen konkreten Fall, der sich am Osi ereignet hatte und der Anlaß für den Fachbereichstag war. Ein Dutzend Studentinnen unterbrachen die Veranstaltung. Sie begründeten ihren Boykott des Fachbereichstages damit, daß dabei von vorneherein „der männliche Wertmaßstab nicht zur Disposition steht“. In Anspielung auf den Titel der Plenumsdiskussion, „Neue Prüderie“, sagte eine Studentin: „Wir sind prüde im ursprünglichen Sinne des Wortes, im Sinne von vorsichtig. Vorsichtig gegenüber Männern, ihren Argumenten und ihrem Gewaltpotential.“ Christian Füller

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