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Die Scheiben klirrten wegen eines Mordes

■ Ein Autonomer zu der nächtlichen Scherbenaktion auf der Frankfurter Allee

Friedrichshain. In der Nacht zu Sonntag haben rund 150 Autonome in der Frankfurter Allee in Friedrichshain etliche Schaufenster eingeschlagen. Dazu ein Gespräch mit einem 29jährigen Autonomen, der in dem Kiez wohnt und seinen eigenen Angaben nach an der Aktion nicht unmittelbar beteiligt war.

taz: Was war der Grund für die Aktion?

Thomas Techner (Name geändert): Der Grund war der Mord in Freiburg an der 24jährigen Krankenschwester Kerstin Winter, die den Antifaschisten angehörte. Sie ist durch eine Paketbombe umgebracht worden. Der Mord wurde sehr wahrscheinlich von Faschisten verübt. Zum einen, weil dabei hochwertiger Sprengstoff und eine Sprengvorrichtung aus Bundeswehrbeständen verwendet wurde. Zum anderen, weil in Freiburg vor einigen Monaten ein Flugblatt aufgetaucht ist, in dem Faschisten dazu aufrufen, das „Pack in der Stadt zu beseitigen“.

Das alles war bei der Aktion in der Frankfurter Allee aber nicht zu erkennen. Warum wurden nicht wenigstens Parolen gesprüht?

Das ist ein großes Problem, aber in der Kürze der Zeit war nur eine spontane Reaktion möglich. Und das Interview hier zeigt ja, daß man noch im nachhinein die Möglichkeit hat zu erklären, worum es geht.

Was haben die Geschäfte in der Frankfurter Allee mit dem Anschlag auf Kerstin Winter zu tun?

Es ist relativ schwierig, gezielt gegen Faschisten vorzugehen. Dazu müßte man genaue Adressen haben und sehr verantwortlich damit umgehen. Deswegen ist eine Reaktion gewählt worden, bei der niemand verletzt werden kann. Zudem liegt die Frankfurter Allee mitten in Friedrichshain. Vielen Menschen, die dort wohnen, ist der Mord an Kerstin Winter ziemlich nahegegangen.

Wer seid Ihr?

Wir sind Ostberliner AntifaschistInnen, die in Friedrichshain wohnen.

Soll den Anwohnern und Geschäftsinhabern der Frankfurter Allee der Grund für die Scherbenaktion dennoch erklärt werden?

In den nächsten Tagen werden dazu noch Flugblätter verteilt.

Glaubt Ihr, daß Ihr Verständnis dafür findet?

Dem taz-Bericht über die Aktion zufolge scheint es Leute zu geben, die es richtig finden, große Geschäfte anzugreifen.

Der in dem Artikel zitierte Passant war aber der Meinung, daß sich die Aktion gegen die Erhöhung der Gewerbemieten und Vertreibung der kleinen Geschäfte durch die Konzerne gerichtet habe.

Das kann man nicht voneinander trennen. Außerdem war es auch eine Aktion gegen die heile Konsumwelt. Interview: Plutonia Plarre

Wegen des Mordes an Kerstin Winter rufen autonome und antifaschistische Gruppen morgen zu einer Demo auf. Treffpunkt 18.00 Uhr Rosa-Luxemburg-Platz.

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