Die Probleme der Nationalmannschaft: Mehr als ein Riss
Der „Spiegel“ berichtet über einen Riss, der durch die Fußball-Nationalmannschaft geht. In Wahrheit ist alles noch viel schlimmer.
Julian Draxler ist also die Kartoffel unter den Kanaken in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Er hat mal mit Jérôme Boateng ein paar Tage Urlaub gemacht und ist schon mal mit einer dicken Kette gesehen worden. Steht im Spiegel. Doch seine Integrationsbemühungen reichen nicht, um den Riss in der Mannschaft zwischen den Migras und den Bios zu kitten.
Dabei gibt es noch mehr Risse im Team. Einer wie Thomas Müller steht mit seiner Leidenschaft für den Reitsport ziemlich alleine da im Team und muss sich antihippophilen Ressentiments ausgesetzt fühlen. Wer kümmert sich um ihn? Oder um Jonas Hector, der schon einmal dabei erwischt worden sein soll, wie er ein Buch liest? Es gibt also zu wenig Harmonie in der deutschen Auswahl. Es ist zum Heulen.
Es gibt unterschiedliche Typen in der Nationalmannschaft, die es dann auch noch wagen, sich zu Gruppen zusammenzutun. Das ist ja beinahe so wie überall. Da sind etwa die Schleimer. Wer also sind sie? Und machen sie mit den Strebern, die in vorauseilendem Gehorsam vor jeder Teambesprechung die Taktiktafel wischen, gemeinsame Sache?
Gibt es Arschkriecher mit Migrationshintergrund? Sind die Arschlöcher in der Mannschaft unbeliebter als die Arschkriecher? Wenn ja, warum nicht? Fragen, die nur ein Richard-David Precht beantworten kann. Oder der Spiegel im typischen Spiegel-Sprech: „Geraune gibt es in der Branche auch über …“
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert