: Die Intellektuellen und die Drogen
Santa Fe (IPS/taz) – Die Festnahme des prominenten kolumbianischen Bankers Carlos Ossa, der am Flughafen mit einem Päckchen Marihuana in seinem Portemonnaie überrascht wurde, hat in dem Andenstaat ungewöhnliche Folgen gehabt. Die erwartete Protestwelle blieb aus. Statt dessen bekennen sich Schriftsteller und Journalisten des Andenstaates freimütig zum eigenen Drogenkonsum. Einige Intellektuelle fordern dabei ganz offen die Legalisierung von Rauschgift. „Carlos Ossa sollte sich nicht dafür entschuldigen, daß er Marihuana raucht, so wie es alle machen, wenn sie erwischt werden. Eher sollte er sich dafür stark machen, daß so etwas offiziell erlaubt wird. Das wäre ehrlicher und ungewöhnlicher, aber auch weniger dumm“, erklärt der Schriftsteller Antonio Caballero. Caballero, der als namhafter Journalist für die Zeitschrift Semana schreibt, enthüllt dabei auch seine persönlichen Vorlieben: Er nimmt zweimal im Monat Marihuana und zweimal im Jahr Kokain. Caballero weiß, daß nicht der Drogenhandel, sondern seine gesetzliche Ahndung den kriminellen Apparat der Narco-Mafia aufrechterhält. Auch der Ökonom und Schriftsteller Jorge Child, der mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht hat, stellte sich an die Seite Ossas. „An Rauschgift selbst ist nichts Teuflisches zu finden“, sagt er. Auch Maria Herran, Direktorin des Instituts für Kommunikations- und Kulturforschung und Kolumnistin der Tageszeitung El Espectador, ist für die Freigabe.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen