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Die Idee Olympias

■ Der geplatzte Traum des Nelson Mandela

Die Götter des Olymp haben entschieden: Kapstadt, die Schöne, wird die Olympischen Spiele 2004 ausrichten. Die Nation jubelt und bricht jeden Superlativ. Am Kap der Guten Hoffnung fand gestern abend die vermutlich größte Party aller Zeiten statt, das größte Feuerwerk in der südafrikanischen Geschichte ging in den Himmel. Die Freude der Südafrikaner ist nicht gespielt. Hat man nicht ein Wunder geschafft? Nur drei Jahre nach dem Machtwechsel wird den einstigen Parias attestiert, daß sie in der Lage sind, Gastgeber für die Welt zu sein.

Für die Regierung unter Präsident Nelson Mandela ist das ein Erfolg, der ihr mehr Prestige bringen wird als alle Versuche, auf diplomatischem Parkett das Ansehen des Landes wiederherzustellen. Die Entscheidung des IOC ist eine politische. Man soll die Qualität der Kapstädter Bewerbung nicht herunterspielen, doch im Wettbewerb der fünf war sie nicht herausragend. Sie bestach vor allem durch ihren symbolischen Gehalt — und den Mann, der dafür steht: Nelson Mandela.

Dem Bewerbungs-Team unter dem ehemaligen Banker Chris Ball war dieses Konzept zu verdanken: Spiele für Afrika. Das Argument, die Welt schulde Afrika die Spiele, mag die Moral auf seiner Seite haben. Was aber schuldet die Welt Afrika nicht alles. Und wann hat schon Moral eine Rolle gespielt bei Entscheidungen über Olympische Spiele? Am Ende ist das IOC leider doch nicht dem Charisma Nelson Mandelas erlegen. Der erste schwarze Präsident des Landes war dennoch der Superstar in Lausanne. „Madiba magic“ nennt man das in Südafrika liebevoll. Daß der ANC sich erst gar nicht für Olympische Spiele erwärmen konnte, wer spricht darüber heute noch. Spät, aber nicht zu spät hat Mandela erkannt, welch identitätsstiftende Kraft die Spiele für ihn, für den ANC und für die noch stark fragmentierte Gesellschaft in Südafrika gehabt hätten.

Unermüdlich beschwören er und sein Nachfolger Thabo Mbeki eine „afrikanische Renaissance“. Diese Formel hat das IOC jetzt platzen lassen. Der Traum ist ausgeträumt, der Kontinent bleibt weiter Lichtjahre von seiner Wiedergeburt entfernt. Mandela und Mbeki werden nach Athen reisen, und sie werden weiter an ihrem Traum festhalten. Kordula Doerfler

Bericht Seite 2

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