: Die Hooligans „haben da sinnlos gewütet“
■ Zeuginnen im Magdeburger Himmelfahrts-Prozeß sagten aus Angst unter Ausschluß der Öffentlichkeit aus / Wieder wird Kritik an der Polizei laut
Magdeburg (taz) – Im zweiten Prozeß nach den ausländerfeindlichen Karawallen am Himmelfahrtstag in Magdeburg sagten gestern zwei Zeuginnen unter Ausschluß der Öffentlichkeit aus. Offenbar wird aus der Hooligan- Szene Druck auf die aussagebereiten ZeugInnen der Krawalle ausgeübt. Die beiden gestrigen Zeuginnen jedenfalls erklärten, sie hätten Angst vor Racheakten aus der Szene. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verwies daraufhin das Gericht sämtliche ZuschauerInnen für die Dauer der beiden Vernehmungen des Saales. Lediglich die MedienvertreterInnen durften während der Zeuginnenaussage im Gerichtssaal bleiben. – Doch nicht nur der Angeklagte Heiko K., auch die Polizei wurde bei der Zeugenbefragung neuerlich belastet:
„Ich habe gleich nach Beginn der Krawalle den Notruf 110 angerufen“, erklärte eine der beiden Zeuginnen. „Aber ich mußte dann noch zweimal anrufen, bis die Polizei endlich kam.“ Gipfel des polizeilichen Hochmuts: Als sich die Rentnerin beim Einsatzleiter als Zeugin meldete, fuhr der sie dafür an, daß sie den Notruf und nicht das Polizeirevier Magdeburg- Mitte angerufen habe. „Dann wären wir schneller dagewesen“, sagte der Beamte nach Angaben der Zeugin.
Die zweite Zeugin belastete den 21jährigen Angeklagten Heiko K. erheblich. Sie habe bis zum Beginn der Krawalle auf der Terrasse der Marietta-Bar gesessen und später deutlich gesehen, wie dieser Angeklagte den Tisch in die Scheibe der Bar geworfen habe. Heiko K. selbst hat zwar am ersten Verhandlungstag zugegeben, zwei Stühle geworfen zu haben, aber das, so der 21jährige, sei in Notwehr geschehen, weil er sich vom türkischen Personal der Bar und des danebenliegenden Döner-Imbisses, die sich gegen die Angreifer verteidigten, bedroht gefühlt habe. Demgegenüber erklärte die Zeugin vor Gericht, sie habe keinerlei Notwehrsituation für die Hooligans erkennen können. „Die haben da sinnlos gewütet“, sagte sie aus.
Heiko K. hat während des ersten Prozeßtages frühere Aussagen zurückgezogen, in denen er nicht nur ein umfassendes Geständnis abgelegt, sondern auch andere Beteiligte an den Krawallen erheblich belastet hatte. Seiner neuen Version des Geschehens schenkt das Gericht aber offenbar wenig Glauben. Als zusätzlicher Zeuge soll deshalb jetzt ein Polizeibeamter geladen werden, der zugegen war, als Heiko K. vor der Haftrichterin aussagte. Der Prozeß wird heute fortgesetzt. Löb
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