piwik no script img

Die DDR war in Italien nicht dabei!

■ Die Ostdeutschen: ein Volk von Trittbrettfahrern

QUERSPALTE

Seit die Mauer auf ist, werden die Westler von den Ostlern mit einem Zauberwort außer Gefecht gesetzt. Es heißt „DDR -Identität“ und meint: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß. Mark ja, aber bitte ohne Arbeitslose, Altstadtsanierung gern, aber ohne Mieterhöhung; West-Waren immerzu, aber ohne Preissteigerung. Am Sonntag abend hat das Volk der Trittbrettfahrer noch einen draufgesetzt: Die Ost -Fußballer haben in Italien nicht mal im Achtelfinale mitgespielt, aber auf dem Alexanderplatz hatten die Ostler gestern wieder die große Fresse. Von wegen: Wir hätten gewonnen. Liebe künftige MitbürgerInnen: Eure Elf, die Nationalmannschaft der DDR, hat Mitte November von Österreich mit 0:3 eins auf den Sack bekommen und durfte sich die WM nur noch von der Zuschauertribüne aus angucken. Unter den deutschen Spielern, die in Mailand den Worldcup herbeigedribbelt haben, befanden sich zwar mehrere, die mittlerweile im europäischen Ausland wohnen und ihr Geld in Lire ausgezahlt bekommen. Es war aber keiner dabei, der einen blauen Paß besitzt oder bei Lok Leipzig gespielt hat! Um es ganz deutlich zu sagen: Die DDR hat in Italien weder gewonnen noch verloren - sie war gar nicht dabei!

Es gibt bei uns Westlern auch eine schlummernde BRD -Identität. Und wenn die durch Euer besoffenes „Deutschland!„-Geblöke geweckt werden sollte, könnten die Folgen für Euch fürchterlich sein. Dann treten bei der nächsten WM nämlich zwei deutsche Teams an...

CC Malzahn

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen