: Die Alten sind gar nicht so
■ Sie sind „vital und aktiv“ (Kohl), die „eigentliche Machtgruppe“ (Klose), entwickeln „Kultur des Alterns“ (Engholm)
Bonn (dpa/taz) – Für eine Korrektur der herrschenden Vorstellungen vom Älterwerden und vom Alter hat sich Helmut Kohl ausgesprochen. „Viele unserer älteren Bürgerinnen und Bürger sind bis ins hohe Alter vital und aktiv. Sie wollen gemeinsam mit den jungen Menschen auch weiterhin die Gesellschaft gestalten“, erkannte der Kanzler. Er äußerte sich wie auch Bundesseniorenministerin Hannelore Rönsch zum „Europäischen Jahr der älteren Menschen und der Solidargemeinschaft der Generationen“, das in dieser Woche in Brüssel feierlich eröffnet wird. Ein lebendiges Europa brauche die Dynamik der Jungen ebenso wie die Erfahrung und Weisheit der Älteren, betonte der weise und erfahrene Kanzler.
Anstöße zu einem intensiveren Dialog zwischen Alt und Jung sowie weitere Schritte für eine abgestimmte europäische Seniorenpolitik erhofft sich Rönsch von dem durch die EG-Kommission für 1993 ausgerufenen Jahr. Die Ministerin kritisierte zugleich, daß noch zu oft mit negativen Vokabeln wie „Alterslast, Rentnerberg oder einer drohenden Vergreisung“ über die ältere Generation gesprochen oder geschrieben werde.
Rönsch verwies darauf, daß sechzig Millionen Menschen in der Europäischen Gemeinschaft 60 Jahre und älter seien, im Jahre 2020 werde schon mehr als ein Viertel aller Europäer das 60. Lebensjahr überschritten haben.
Auch führende Sozialdemokraten forderten am Montag eine neue Einstellung zum Alter. Die Älteren seien „keine Rand-, sondern die eigentliche Machtgruppe“ in der Gesellschaft, sagte der SPD- Fraktionsvorsitzende und Seniorenbeauftragte seiner Partei, Hans-Ulrich Klose. Bei der Vorstellung seines Buches „Altern der Gesellschaft“ verwies auch er in Bonn darauf, daß ältere Menschen eine immer größere Gruppe der Bevölkerung ausmachten. Ohne die Berücksichtigung ihrer Interessen werde künftig keine Partei mehrheitsfähig sein. Der SPD- Vorsitzende Björn Engholm plädierte bei der Buchvorstellung dafür, eine neue „Kultur des Alterns“ zu entwickeln.
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