■ Deutsche Tourismuswerbung im Ausland: Grundsätzliche Überprüfung ist fällig
Mehrfache sexuelle Belästigung und Rassendiskriminierung durch den New Yorker Filialleiter der mit „positiver Imagewerbung im Ausland“ beauftragten Deutschen Zentrale für Tourismus (DTZ), bis heute anhaltende Vergeltungsschikanen gegen MitarbeiterInnen, die sich dagegen zur Wehr setzen, und schließlich der Frankfurter DZT-Vorstand und das zuständige Bundeswirtschaftsministerium, die diese Mißstände jahrelang gedeckt haben, statt ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Betroffenen nachzukommen: Vor diesem Hintergrund haben Ministerialdirigent Geisendörfer (FDP), Mitglied im DZT-Verwaltungsrat, und DZT-Vorstand Colonius mit ihrem dummdreisten Auftreten vor ARD-Kameras sowie vor dem Bundestagsausschuß für Tourismus am Mittwoch abend deutlich gemacht, daß sie die Brisanz der Vorgänge in der New Yorker Filiale noch immer nicht begreifen wollen. In dieser Situation muß das Parlament endlich eingreifen – und zwar über die Parteigrenzen hinweg. Ein Streit zwischen Regierung und Opposition über das Thema würde den bereits angerichteten Schaden nur noch vergrößern. Zunächst einmal ist dafür zu sorgen, daß die DZT ihre drei klagenden New Yorker MitarbeiterInnen nicht länger durch alltägliche Schikanen und Erniedrigungen zu arbeitsrechtlich relevantem Fehlverhalten zu provozieren sucht, um so die Ausgangslage in den anstehenden Arbeitsgerichtsprozessen zu verbessern.
Doch das Problem geht weit über sexuelle Belästigung und Rassendiskriminierung hinaus. Der jetzt endlich erteilte Auftrag des Haushaltsausschusses an den Bundesrechungshof, die Verwendung von jährlich immerhin knapp 50 Millionen Mark Steuergeldern durch die DZT einmal gründlich zu überprüfen, war längst überfällig. Darüber hinaus gehört die deutsche Tourismuswerbung im Ausland insgesamt auf den Prüfstand. Die Klagen über die Arbeit der DZT werden seit Jahren immer lauter. Auch aus Mitgliedsverbänden der DZT, die – weil sich nichts änderte – inzwischen zum Teil ihre eigenständige Auslandswerbung betreiben. Auch zahlreiche Verbesserungsvorschläge von DZT-MitarbeiterInnen, darunter anerkannte Tourismusexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, stießen in der vorrangig auf Sicherung eigner Pfründe bedachten Frankfurter DZT-Spitze stets auf taube Ohren. Ohne neues DZT-Führungspersonal und die Auswechslung des zuständigen Beamten im Bonner Bundeswirtschaftsministerium hat eine Reform der deutschen Tourismuswerbung im Ausland daher kaum eine Chance. Andreas Zumach
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