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Der taz FUTURZWEI-Fragebogen Was hat Ihr Denken beeinflusst, Kevin Kühnert?

Kevin Kühnert ist Bereichsleiter bei der Bürgerbewegung Finanzwende e.V. Er war Generalsekretär und MdB der SPD sowie Juso-Bundesvorsitzender. Er lebt in Berlin und ist immer noch erst 36 Jahre alt.

Mehr hoffen und weniger wünschen: Kevin Kühnert im Fragebogen Foto: Hanna Wiedemann

taz FUTURZWEI | Was hat Ihr Denken beeinflusst?

Auschwitz

Wer hat Ihr Denken beeinflusst?

Friedrich Dürrenmatt, Roger Willemsen, Tobias Jundt

Ihre Lieblingsdenkerin, die sonst niemand kennt?

Annemarie Schwarzenbach

An welchem gefährlichen Gedanken denken Sie rum?

Wie ich es in diesem Leben noch schaffen kann, zu Fuß durch Sibirien zu wandern.

Welche Diskussion ist komplett festgefahren?

Jede, die mit Autos zu tun hat.

Welche Position langweilt Sie?

„Dieser Position darf man keine Bühne bieten!“

Welche drei Menschen der Zeitgeschichte würden sie zu einem Abendessen einladen wollen?

Pablo Neruda, Miriam Makeba, Edmund Hillary

Wen finden Sie gut, obwohl Ihre Peergroup ihn oder sie blöd findet?

Florian Silbereisen als Traumschiff-Kapitän Max Parger

Den taz FUTURZWEI-Fragebogen (with a little help from Max Frisch, Fischli/Weiss und NYT Book Review) gibt es neu in jedem Heft. Entdecken Sie taz FUTURZWEI im Abo.

Welche drei Bücher würden Sie als Deutschlehrer/-in lesen lassen?

Die Panne (Dürrenmatt), Wer hat meinen Vater umgebracht -(Édouard Louis), Normal People (Sally Rooney)

Welche Künstler/-innen sind auf der Höhe der entscheidenden Fragen?

So weit oben steht bei mir nichts im Regal. Aber eine Etage tiefer greife ich gerne Sam Fender heraus, dessen Texte seit Jahren von bemerkenswert guter Beobachtungsgabe zeugen.

Die überschätzteste Figur der Gegenwart überhaupt.

Solche Kategorien sind mir in Bezug auf Menschen fremd.

Warum scheuen Linke den Humor?

Der „Humor“ unserer Zeit ist der Zynismus. Die radikale Rechte und der Libertarismus genießen derzeit also permanentes humoristisches Heimrecht.

Wissen Sie, was Sie hoffen?

Ich weiß, dass es besser wäre, mehr zu hoffen und weniger zu wünschen.

Findet Sie das Glück?

Ich bin Sozialdemokrat und Anhänger von Arminia Bielefeld, lebe also in dem Bewusstsein, vom Glück nicht zu oft behelligt zu werden.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Den sogenannten sozialen Netzwerken

Wann haben Sie aufgehört zu glauben, dass Sie klüger werden (oder glauben Sie es noch)?

Ich beobachte jedenfalls, dass die Ausrufezeichen-Sätze weniger und die Fragezeichen-Sätze immer mehr werden. In meinem früheren beruflichen Umfeld war es irritierenderweise genau andersrum.

Die neue taz FUTURZWEI

taz FUTURZWEI, das Magazin für Zukunft – Ausgabe N°36: Die AfD interessiert uns nicht

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Statt Rechtspopulisten politisch hinterherzurennen, plädieren wir für politische und gesellschaftliche Reformen zum Erhalt der großen demokratischen Mehrheit. Welche sind das? Das diskutieren wir in diesem Heft.

Mit: Aladin El Mafaalani, Beate Küpper, Johannes Heimrath, Maxim Keller, Ruth Fuentes, Wolf Lotter, Arno Frank, Vivika Lemke, Carla Hinrichs, Kevin Kühnert, Harald Welzer u. v. m..

Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder nein?

Das Befehlen ist mir wesensfremd.

Wenn Sie und alle, die Sie kennen, tot sind – interessiert Sie dann die Weiterexistenz der Menschheit noch?

Wenn mein Interesse an und meine Verantwortung für meine Mitmenschen zu Lebzeiten nicht auf mich und alle mir bekannten Personen beschränkt ist, dann wäre es doch abwegig, das mit Blick auf eine ferne Zukunft gänzlich anders zu bewerten.

Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?

Wie unromantisch!

Worum geht es im Leben eigentlich?

Eine Geschichte von uns erzählen zu können. Und im besten Fall glauben wir sie uns auch noch selbst. Wenigstens ein bisschen.

Gibt es zu viel des Guten?

Die meisten guten Dinge sind nicht mehr gut, wenn es zu viel von ihnen gibt. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Beispielsweise kann man selbstverständlich nicht zu viel Kaiserschmarrn haben.

Es gibt nur Gangster oder Trottel. Was sind Sie dann?

In den Augen von Gangstern ein Trottel zu sein, damit lässt es sich gut leben.

🐾 Lesen Sie weiter: Dieser Artikel erschien zuerst in der neuen Ausgabe unseres taz-Magazins FUTURZWEI N°36 mit dem Titelthema „Die AfD interessiert uns nicht“. Jetzt bestellen im taz Shop.