: Der Yen macht's
■ Amerikanisch-japanische Handels- gespräche sind wieder gescheitert
Tokio (taz) – Japan und Amerika steuern in ihren Handelsbeziehungen zielstrebig auf Sanktionen zu. Fast planmäßig scheiterte am Wochenende eine weitere Runde der bilateralen Marktöffnungsgespräche, die amerikanischen Unternehmen größere Marktanteile in Japan verschaffen sollen. Auch ein Ultimatum aus Washington spornte beiden Seiten nicht zu Kompromissen an: aufgrund von Auflagen des amerikanischen Kongresses müssen die USA nunmehr nach Ablauf einer zweimonatigen Frist Sanktionen gegen Japan verhängen – was innerhalb der letzten vier Jahre immerhin vermieden wurde.
Dennoch will das niemanden erregen. Weder die japanische noch die amerikanische Regierung hat in den letzten Wochen viel Engagement im traditionellen Streit um Japans gigantischen Handelsüberschuß mit den USA erkennen lassen. Das liegt vor allem daran, daß beide Seiten von der Ineffektivität ihrer Gespräche überzeugt sind. „Ich bin zur Zeit weder besonders optimistisch noch besonders pessimistisch“, kommentierte der japanische Wirtschaftsminister Ryutaro Hashimoto kürzlich die Handelsgespräche.
Schon richtet man sich in Tokio darauf ein, daß auch Sanktionen, zumal bisher nur in Teilbereichen geplant, an den für Japan vorteilhaften Wirtschaftsbeziehungen beider Länder kaum wesentliches ändern werden.
Natürlich sind die Amerikaner hier immer noch um eine schärfere Rhetorik bemüht: „Unsere Gespräche sind beendet“, warnte die stellvertretende US-Handelsbeauftragte Charlene Barshefsky am Samstag in Washington, wohlwissend, daß sie damit nach einer der vielen nervenzehrenden Marathonsitzungen mit Nippons sturen Bürokraten nur einen frommen Wunsch aussprach. Denn im Grunde glauben auch die Amerikaner nicht an die Wirkung von Sanktionen.
Viel mehr versprechen sie sich von ihrer Währungspolitik. Der bisherige Verzicht auf Zinserhöhungen in den USA gründet schließlich auf der Hoffnung, daß ein schwacher Dollar verbunden mit einem hohen Yen das amerikanische Handelsdefizit langfristig ausgleicht. Auch die Japaner bezweifeln das übrigens nicht, wenngleich beide Seiten einen anderen Zeitplan haben: Bill Clinton bleiben nur noch zwei Jahre, um Erfolgsbeweise für seine konfrontative Japan-Politik aufzuführen; japanische Bürokraten rechnen hingegen stillschweigend mit weiteren zehn Jahren, bis sich die japanische Binnenwirtschaft so verstärkt habe, daß der Exportüberschuß verschwindet. Georg Blume
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