Der Spitzenkandidat der Berliner CDU: Frühstück mit einem Optimisten

Das Selbstbewusstsein des Berliner CDU-Spitzenkandidaten Kai Wegner entspricht nicht unbedingt den Umfragen knapp ein Jahr vor der Berlin-Wahl.

Kai Wegner, 48, ist Spitzenkandidat der CDU Berlin. Er steht vor einem Aufsteller mit der Aufschrift: "Bereit für mehr".

Der Spitzenkandidat der CDU bei der Berlinwahl im Herbst 2021: Kai Wegner Foto: dpa

Soviel Chuzpe muss man erstmal haben, vor allem am frühen Morgen. Kai Wegner ist an diesem Mittwoch zur Frühstückszeit Gast bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) und ihrem eloquenten Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Und da fordert der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl allen anderslautenden Wahlumfragen zum Trotz: „Die Grünen müssen sich verändern.“ Sie müssten den Kreuzberger Einfluss bei sich verringern, dann hielte Wegner gnädigerweise ein Bündnis nach der Wahl im Herbst 2021 für denkbar: „Eine Koalition mit Florian Schmidt und Dirk Behrendt (in Kreuzberg beheimatete prominente Gesichter im Landesverbands, d.taz) kann ich mir nur schwer vorstellen.“

Normalerweise würden bei diesen Worten 200 bis 300 Zuhörer vor Wegner und Eder sitzen, in einem großen Saal im IHK-Sitz in der Charlottenburger Fasanenstraße, meist Männer, vor sich eine Tasse Kaffee und ein Brötchen oder Hörnchen. „Wirtschaftspolitisches Frühstück“ heißt die Gesprächsreihe, in der seit vielen Jahren alle führenden Köpfe der Stadt vorbei schauen – SPD-Hoffnungsträgerin Franziska Giffey etwa löste hier im Frühjahr 2019 einen Applaussturm aus. In Coronazeiten sitzen bloß Wegner und Eder zusammen, die sonstigen Mit-Frühstücker sind nur digital dabei.

Nun hat die CDU zwar unter Wegner in seinen bisher eineinhalb Jahren als Landesvorsitzender leicht zugelegt und liegt in Umfragen über 20 Prozent. Aber die Grünen kommen zum einen teils auf 26 Prozent und haben andererseits bisher nicht erkennen lassen, dass sie an einer Koalition mit Wegner und seiner CDU interessiert sind. Auch die als Reala eingeordnete designierte Spitzenkandidatin Bettina Jarasch sah jüngst in einem Interview keine Annäherung. Zudem kommen die drei Parteien der bisherigen rot-rot-grünen Koalition zusammen weiter auf auf eine deutliche Mehrheit.

Vielleicht liegt das mit der Chuzpe daran, dass Wegner sich selbst als Optimist sieht – „bei mir ist das Glas immer halb voll, nie halb leer.“ Wenn man ihm an diesem Morgen so zuhört, dann klingt da vieles vom Ansatz her so wie eine Mischung aus Joe Biden und dem designierten SPD-Führungsduo Franziska Giffey und Raed Saleh: pragmatisch an die Dinge herangehen, unideolisch Politik für alle machen, die Mittelschicht nicht vergessen, die sich keine Luxuswohnung leisten kann, aber auch keinen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat.

„Gucken wir mal..„

Wenn Wegner zudem sagt, er wolle eine Verkehrspolitik für alle – inklusive Radfahrer – und sich gegen eine autofreie Stadt wendet, weil manche eben aufs Auto angewiesen seien, dann hört sich das fast genauso an, wie es bei Giffey und Saleh in einem Tagesspiegel-Interview Mitte Oktober zu lesen war, das manchen SPD-Linken verärgert hat.

Aufhorchen lässt Wegner an diesem Morgen noch ein zweites Mal. Da kommt IHK-Chef Eder nämlich auf die drei Bewerber für den CDU-Bundesvorsitz zu sprechen und Wegner fügt ungefragt einen vierten dazu: Er lobt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Als Eder darauf verweist, dass der doch schon im Bewerbergespann mit Armin Laschet zweiter Mann ist, sagt Wegner: „Gucken wir mal, jetzt heißt es Bewerbergespann...“ Weiß Wegner mehr? Gucken wir mal...

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