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Tim Caspar Boehme

Wenn man sich so unter Leuten umhört, scheinen gerade irgendwie alle Italienisch zu lernen. In der Musik gehört Italienisch, klassisch gesehen, sowieso zur Tradition. Nun gilt: keine Musik ohne Frequenzen. Und schon gar keine Livemusik ohne Luft, die sich regelmäßig bewegt, mithin Schwingungen - „Oscillazioni“ auf Italienisch. Dass der Musiker Hanno Leichtmann seine Installation, die bis Sonnabend im Silent Green zu erleben ist, den Titel „Oscillazioni“ trägt, hat jedoch einen handfesten Grund.

Das Material, das Leichtmann verwendet hat, stammt von der Klangkünstlerin Christina Kubisch. Sie hatte ihm ihr Kassettenarchiv der 70er- und 80er Jahre zur Verfügung gestellt, aus ihrer „Mailänder Phase“. Kubischs Aufnahmen von Naturgeräuschen, Klängen von selbst gespielten Instrumenten und einfachen elektronischen Geräten, hat Leichtmann für seine Installation nach dem Vorbild der Musique concrète ausgiebig elektronisch bearbeitet. Je nach eigener Position im Raum hört man die eine oder andere Klangquelle deutlicher oder schwächer (Silent Green, 31. 7. – 1. 8., 14-20 Uhr).

Elektronisch klingen am Sonntag auch die Gaswerk Music Days aus, die am vergangenen Wochenende begannen. Im Garten des denkmalgeschützten Ensembles der Gaswerksiedlung spielen unter dem Titel „Dub & Drift“ zum Abschluss die Künstler Azu Tiwaline, Reggie Watts und das Projekt Holy Tongue auf. Für die Musik der aus Tunesien stammenden Azu Tiwaline stimmt sowohl der Dub- als auch der Driftanteil, unter dem die Veranstaltung steht. Bass, Hall und Echo kombiniert sie mit offen treibenden Polyrhythmen.

Noch mehr Bass kommen von Holy Tongue, dem Duo der Perkussionistin Valentina Magaletti und des Produzenten Al Wootton, die sich besonders der britischen Dub-Tradition der Achtzigerjahre verpflichtet fühlen, in der Punk und Reggae freisinnig kurzgeschlossen wurden. Für eine andere Form der Auflockerung dürfte dazwischen der HipHop-Musiker und Komiker Reggie Watts sorgen, der Rap und Beatboxing in Collagen kombiniert und bei dem sich „Salam“ schon mal auf „Salami“ reimt (Gaswerksiedlung, 2. 8., 16-22 Uhr).

Im Übrigen ist festzuhalten, dass es brasilianische Musik eigentlich gar nicht genug geben kann. Ebenso wie es immer weitere Kombinationsmöglichkeiten von Stilen gibt, um daraus Neues entstehen zu lassen. Ana Frango Elétrico etwa verschaltet Bossa Nova und deren Nachfolger MPB, die Música Popular Brasileira, mit den elektrischen Klängen der Achtzigerjahre von New Wave bis Synthpop. Das „electric chicken“, wie der Name übersetzt lautet, hat keine Hemmungen, große Bläsersätze aufzufahren oder glattpolierte Funkrhythmen als Basis zu nutzen. Drumcomputer dürfen es eben auch sein. Songs wie „Boys of Stranger Things“ können einen dabei ohne Vorwarnung entwaffnen. Enthemmungsgefahr besteht durchaus (Lido, 6. 8., 19 Uhr).

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