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Der Mensch Sklave seiner selbst?

■ Betr.: Verkürzung der Schulzeit

betr.: Verkürzung der Schulzeit

In manchen Stunden neige ich dazu, diese Frage mit Ja zu beantworten. Ich meine hierbei allerdings nicht die hinlänglich bekannten Abhängigkeitsverhältnisse, in die der Mensch andere Menschen zwingt, sondern auch die Abhängigkeit des Menschen von seinen eigenen Ideen.

Die Koalition aus CDU/CSU und FDP hat beschlossen, die Schuldauer auf zwölf Jahre zu verkürzen. Als Begründung für diese Maßnahme wird nur allzuoft angeführt, welchen wirtschaftlichen Nachteil die BRD durch die lange Schulzeit hätte. Folglich ist die logische Konsequenz, daß diese Schulzeit verkürzt werden müsse. Und damit haben sich die Herren Politiker entlarvt, Schule hat für sie einzig und allein eine Daseinsberechtigung als Kaderschmiede für die Wirtschaft.

Der Mensch habe gefälligst dem Kapitalismus zu dienen und nicht der Kapitalismus dem Menschen, wie ursprünglich geplant. Schule soll nicht zu besseren Menschen führen, sondern zu besseren Maschinen. Ob der junge Mensch Zeit braucht, um sich zu einem toleranten, moralisch integren und selbstbewußten Menschen zu entwickeln, interessiert nicht; es interessiert einzig und allein, wie lange es braucht, um aus einem Kind einen brauchbaren Angestellten zu machen. Ob diese Angestellten ein Gefühl für Kunst oder Menschlichkeit entwickeln, interessiert nicht, aber ob sie Integrale berechnen können, das interessiert sehr wohl.

Schule sollte eine Schule für das Leben sein und Leben ist eben nicht gleichbedeutend mit Beruf. Sieht man Schule als Schule fürs Leben, dann müßte sie eher auf 14 Jahre verlängert werden, als auf zwölf Jahre verkürzt. [...] Tim Weber, 18 Jahre,

Frankfurt am Main

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