piwik no script img

Press-SchlagDer Mann, der eine Katastrophe plant

■ Der Belgier Jean-Marc Bosman klagt gegen das Transfersystem im Fußball

Was Jean-Marc Bosman für die europäische Fußballwelt plant, vergleicht er selbst nicht unbescheiden mit dem „Fall der Berliner Mauer“. Etwas weniger hoch angesetzt nennt er es immer noch „eine Katastrophe für die UEFA“. Auf jeden Fall dürfte es der Europäischen Fußballorganisation gar nicht schmecken, daß der 31jährige Fußballprofi sie vor den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg bringt. Denn Bosman will, daß das streng reglementierte Transfersystem abgeschafft wird.

Bosman strebt eine Regelung an, wie sie der Europarat seit langem fordert: Fußballer sollen die gleichen Freiheiten bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes genießen wie alle anderen Arbeitnehmer in der EU. Das würde bedeuten, daß all die millionenschweren Spieler-An- und -Verkäufe in Frage gestellt würden und daß in jedem Verein der EU-Staaten nicht nur soviele Einheimische, sondern auch soviele EU-Bürger spielen könnten, wie der jeweilige Klub es für nötig hält.

Bosman läßt derzeit seine Karriere bei Vise, einem Viertliga-Verein in der Nähe von Lüttich, ausklingen. Es hätte seiner Meinung nach anders kommen müssen. Als er noch beim FC Lüttich (zur Zeit Letzter der obersten Spielklasse) spielte, wollte er zum französischen Verein Dunkerque. Allein, der belgische Verein blockierte seinen Wechsel. Bosman ging vor ein belgisches Gericht und gewann zum Ärger der UEFA. „Wenn ein Doktor in einem anderen EU-Land arbeiten will, dann geht das. Niemand kann ihn stoppen. Will das ein Fußballer, steht das Transfersystem dagegen.“

Bosman fühlt sich „nicht als Revolutionär“. Er habe nie mit irgendeinem seiner früheren Klubs Probleme gehabt. Nun aber bringt er laut der englischen Wochenzeitung The European eine „Zeitbome“ zur Zündung. Sollte er in Luxemburg recht bekommen, dann ist innerhalb der EU in der Tat ein beinahe revolutionäres Szenario denkbar: Die Ausländerbeschränkungen müßten wenigstens für EU-Bürger fallen und die Spieler könnten unabhängig von den gezahlten Ablösesummen wechseln. Falk Madeja

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen