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Den Staatsanwälten stinkt‘s

Stimmung bei der Berliner Staatsanwaltschaft ist auf dem Tiefpunkt: zu viel Arbeit, zu schlechte Ausstattung und zu eklige Toiletten. Fast jeder zweite Ankläger will weg

Die meisten der rund 320 Berliner Staatsanwälte sind mit ihrem Job zufrieden. Lediglich jeder Sechste würde am liebsten den Beruf wechseln. Mit ihrem Arbeitsplatz sind dagegen viele Berliner Ankläger überhaupt nicht zufrieden. 42,4 Prozent äußerten in einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Vereinigung Berliner Staatsanwälte (VBS) den Wunsch, die Behörde zu verlassen. „Das ist ein ganz, ganz schlechtes Ergebnis“, sagt VBS-Chefin Vera Junker. Vor allem junge Kollegen identifizierten sich nicht mit der Behörde: „Wir haben ein echtes Nachwuchsproblem.“ Wer während seiner Juristenausbildung ein Jahr Station in der Staatsanwaltschaft gemacht hat, weiß zumindest eines: „Da will ich nicht hin.“

Die Gründe für das geringe Ansehen der Anklagebehörde reichen von Arbeitsüberlastung über den „beschämenden Zustand“ von Arbeitszimmern, unzureichende Ausstattung der Dienststellen mit Fax- und Kopiergeräten, fehlende Kommunikation und hierarchische Strukturen bis hin zu teilweise schon Ekel erregenden Toiletten.

Der Frust werde dadurch noch gesteigert, dass Justizsenatoren in der Vergangenheit bei ihrem Amtsantritt regelmäßig Verbesserungen versprochen hätten, so Junker. Geschehen sei aber nicht viel, und angesichts leerer Haushaltskassen werde sich das in absehbarer Zeit wohl kaum ändern. Lediglich bei der Ausstattung mit Computern gebe es Fortschritte.

Drei Viertel der Staatsanwälte gaben an, dass sie ihr Pensum in der gesetzlichen Wochenarbeitszeit nicht schaffen können. 66,2 Prozent leisten regelmäßig ohne Bezahlung oder Freizeitausgleich zehn Überstunden pro Woche, 13,6 Prozent arbeiten dauerhaft 20 Stunden wöchentlich mehr. Doch dabei bleibt es nicht. Jeder Dritte nutzte schon den Urlaub, um Aktenstapel abzuarbeiten, 11,4 Prozent tun das regelmäßig. Junker führt dies auch auf mangelhafte Personalausstattung zurück. Nach einem bundesweit geltenden so genannten Pensenschlüssel müssten rund 50 Staatsanwälte zusätzlich eingestellt werden. Die Zahl der offenen Verfahren steigt. Teils stünden sie kurz vor die Verjährungsgrenze. DDP

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