■ Debatte: Grausame Pazifisten
DEBATTE
Grausame Pazifisten
Die einen schwadronieren vom Embargo als pazifistischem Allheilmittel, das sie dann wohl mit Sitzblockaden und Hungerstreiks durchsetzen wollen. Paule Tiefenbach faselt von urserbischen Gebieten, wo sich doch die Bevölkerungsmehrheit für den Anschluß ans serbische Großreich ausgesprochen habe — eine Mehrheit, die sicherlich genauso treuserbisch ist wie die im Kosovo, wenn die Albaner dort erstmal weg wären. Allesamt haben die wohl kein schlagendes Herz in der Brust, sondern ein metronomisches Dogma vorm Kopp: „Rechts, links, ein Volk fallenlassen. Tock-tock-tock.“
Im ehemaligen Jugoslawien tobt sich eine Soldateska aus, vergleichbar vielleicht mit den Freikorps nach dem ersten Weltkrieg. Gegen die SA's jeder Couleur hilft letztlich nur Gewalt — und zwar viel Gewalt, denn ihnen allen gemeinsam ist jenes nationale Pathos, dieses blödsinnige Vokabular von „Erde“ und „Vaterland“ und vom „Endkampf bis zum letzten Mann“, nach dem sie dann auch handeln. Richtig allerdings ist eins: Man sollte nicht ständig von „den Serben“ sprechen, sondern besser von den „Tschetniks“.
Klaus Jarchow
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