■ Kommentar: Das kleinere Übel
Es ist schon eine Krux mit dem Umweltschutz. Die einen fordern den Ausbau des Schienennetzes, um die Straßen zu entlasten – und schon es gibt Stimmen, die vor einer Verschandelung der Landschaft durch Tunnel, Brücken und Strommasten warnen.
Nicht minder schwer tun sich manche, wenn es um die Wasserstraßen geht. Erst vorgestern protestierten Umweltschützer für die Herausgabe eines Gutachtens der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost. Seit längerem plant das Bundesverkehrsministerium, die Verbindung zwischen Hannover und Berlin zu modernisieren.
Die Befürchtungen der Umweltschützer: die reichhaltige Ufervegetation werde geopfert, häßliche Spundwände würden demnächst manche Streckenabschnitte zieren. Nicht zuletzt müßten die Kanäle verbreitert und auf vier Meter vertieft werden. Ihre Forderung: Bevor der erste Spatenstich getan wird, soll die wirtschaftliche Rentabilität des Projekts nachgewiesen werden. Denn: Brandenburgs Gewässer seien bisher nur zu 30 Prozent ausgelastet.
Die Argumentation der Gegner mag ihre berechtigten Grundlagen haben – bekannt wurde erst kürzlich, daß der neue Großflughafen bei München bei weitem nicht die wirtschaftliche Sogwirkung entfaltet, die von ihm erwartet wurde. Doch der Verweis auf die Wirtschaftlichkeit greift zu kurz: Zwar liegen derzeit viele Branchen im Osten darnieder – doch was geschieht, wenn sie wieder florieren? Und sollen am Potsdamer Platz allein Lastwagen den Bauschutt abtransportieren? Daß beim Ausbau vieles zerstört wird, ist eine Binsenweisheit. Eine neue Wasserstraße muß aber nicht zwangsläufig zu einer Kopie des Rhein-Main-Donau-Kanals führen, der seither Bayerns Landschaft verschandelt. Aber sich grundsätzlich gegen neue Kanäle zu wenden versperrt nicht nur auf lange Sicht jede Perspektive in der Verkehrspolitik, sondern macht auch unglaubwürdig. Denn wer auf der einen Seite gegen den Auto- und Flugzeugwahn zu Felde zieht, muß Alternativen anbieten. Dazu gehört – neben der Bahn – auch der Kanal. Beides hat seinen Preis. Aber er ist immer noch geringer als ein paar hunderttausend Lastwagen mehr auf unseren Straßen. Severin Weiland
Umverteilung gegen rechts
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