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„Das ist doch Sozialismus!“

■ betr.: „Der Spiegel gehört uns“, taz vom 16. 12. 94

Das ist doch Sozialismus! Zeitungen und Zeitschriften, das haben wir Ossis nun aber eingebläut bekommen, können niemals „allen“, „dem Volke“ oder „den Lesern“ gehören. Sie können nur Privatpersonen oder kapitalbesitzenden juristischen Personen gehören. Das ist die Grundlage der Pressefreiheit.

Wichtig dafür, ob eine Zeitschrift überlebt, ist nicht etwa, ob sie beliebt ist (oder gar, wer könnte das auch überhaupt einschätzen: ob sie wichtig ist für das geistig-kulturelle Leben), sondern ob sie sich „am Markt“ halten kann, ob sie genügend Werbeaufträge bekommt, ob ihr(e) Besitzer genügend Kapital haben, um die Gewerbemieten bezahlen zu können usw.

Und wieso ausgerechnet jetzt, wo es um den Spiegel geht, solche sozialistischen Sentimentalitäten? Als der Weltbühne unter fadenscheinigen Vorwänden der Garaus gemacht wurde, hat im Westen keiner gejammert. Im Gegenteil, ich kann mich nur an hämisch zu nennende Kommentare erinnern, nun ja, verständlich, ein Stück möglicher Konkurrenz weniger (noch dazu „staatsnahe“ „larmoyante“, „PDS-nahe“, „der ehemals privilegierten Intelligenz nahe“ Konkurrenz)...

Also, liebe Wessis, wenn schon Kapitalismus, dann aber richtig, und zwar für alle, ob West, ob Ost! Eberhard Schmidt, Bamberg

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